Ohne weitere Schritte verschlimmert sich die Lage in Deutschland
IWF fordert Fortsetzung des deutschen Reformkurses

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat die Parteien in Deutschland zu „mehr Überzeugungsarbeit“ für weitere wirtschaftliche und soziale Reformen aufgerufen. Das Land brauche einen „breiten gesellschaftlichen Dialog“, sagte IWF-Chefvolkswirt Raghuram Rajan dem Handelsblatt.

HB WASHINGTON. „Es ist außerordentlich wichtig, dass der Reformprozess fortgesetzt wird - schon allein, um die Früchte der bereits eingeleiteten Neuerungen zu ernten“, betonte Rajan. Ohne weitere Anstrengungen würde sich die Lage in Deutschland verschlimmern. Rajan warb vor allem dafür, die Bedingungen für Unternehmen zu verbessern. So würden Betriebe bei einer Lockerung des Kündigungsschutzes dazu ermuntert, neue Leute einzustellen. Durch die Senkung der Sozialversicherungsbeiträge könnten ebenfalls neue Jobs geschaffen werden.

Der IWF gehe davon aus, dass der Ölpreis „auf mittlere Sicht - zumindest bis 2010“ - hoch bleiben werde, sagte Rajan. Befürchtungen gebe es vor allem für den Fall, dass das Verbrauchervertrauen einbreche und die Inflation plötzlich ansteige. „Wir haben es mit einem Dreiklang aus knappem Öl-Angebot bei starker Nachfrage und wenig Reserve-Kapazitäten zu tun“, unterstrich Rajan. „Daher kann jeder Schock wie der Hurrikan ‚Katrina’ große Auswirkungen haben.“

Einer Senkung der Leitzinsen durch die EZB erteilte der IWF-Chefvolkswirt eine Absage. „Ich habe volle Sympathie für das Argument der EZB, dass Europa derzeit strukturelle Reformen am nötigsten hat“, erklärte Rajan. Weltweit sei genug Liquidität vorhanden. Noch mehr Geld in den Markt zu pumpen, würde nicht viel bringen. Die EZB sollte sich die Zins-Option für den Fall eines „abrupten Konjunktur-Abschwungs“ reservieren.

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