Oktober-Bericht
Bundesbank sieht Wirtschaft auf Erholungskurs

Die deutsche Wirtschaft hat im Sommer nach Einschätzung der Bundesbank kräftig zugelegt. Impulse seien vor allem von der Industrie ausgegangen. Schwachpunkt bleibe jedoch der schleppende Konsum.

HB BERLIN. Das reale Bruttoinlandsprodukt dürfte nach den bisher vorliegenden Daten im dritten Quartal saison- und kalenderbereinigt deutlich gewachsen sein, hieß im Bundesbank-Monatsbericht für Oktober. Darauf deute die Entwicklung in Industrie, Bauwirtschaft, Handel und Außenwirtschaftsverkehr hin: „Die konjunkturelle Aufwärtsbewegung der deutschen Wirtschaft hat sich damit in den Sommermonaten nach der Seitwärtsbewegung im zweiten Quartal fortgesetzt.“

Kräftige Impulse seien dabei von der Industrie ausgegangen, die wegen der starken Auslandsnachfrage ihre Erzeugung spürbar ausgeweitet habe. Eine positive Entwicklung sei aber auch bei den Anlageinvestitionen zu verzeichnen gewesen. Auch die Bauaktivitäten könnten über das Niveau des zweiten Quartals hinausgegangen sein. Die Konsumnachfrage der privaten Haushalte sei dagegen insgesamt schwach geblieben, schrieben die Experten.

Zu den deutlich schwächer als im Juli ausgefallenen Daten zu Produktion und Auftragseingang im August schrieb die Bundesbank, bei der Beurteilung müsse insbesondere die Lage der Sommerferien berücksichtigt werden. Im Vergleich zum längerfristigen Mittel habe es im Juli relativ wenige Ferientage, im August viele gegeben: „Daher dürften die saison- und kalenderbereinigten Veränderungsraten den konjunkturellen Verlauf im Juli etwas überzeichnet und im August eher unterzeichnet haben.“

Der Auftragseingang war im August zum Juli um 3,7 Prozent gefallen, nachdem er im Juli um 4,1 Prozent zugelegt hatte. Die Produktion fiel um 1,6 Prozent niedriger aus, nachdem sie im Juli um 1,2 Prozent gestiegen war.

Regierung soll schon 2006 EU-Defizitgrenze einhalten

Die Bundesbankforderte die kommende Bundesregierung auf, schon im nächsten Jahr die Defizitgrenze der Europäischen Union einzuhalten. Deutschland könne ein Überschreiten der Obergrenze von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts nicht mit einer unerwarteten gesamtwirtschaftlichen Eintrübung rechtfertigen und solle „alles unternehmen“, um im kommenden Jahr die Kriterien des Stabilitätspakts wieder einzuhalten, schrieb die Bundesbank.

Dieses Jahr werde Deutschland zum vierten Mal in Folge die Maastricht-Kriterien brechen: „Dabei ist der ganz überwiegende Teil dieser Defizite struktureller Natur und nicht etwa Ausdruck einer vorübergehenden, ungünstigen Konjunkturlage.“

Nach einem deutschen Vorstoß wurde der Stabilitätspakt Anfang des Jahres gelockert. Die Bundesbank warnt nun davor, Präzedenzfälle zu schaffen, die es erlauben, die Defizitvorgaben für viele Jahre zu verletzen, ohne dass dies zu merklichen Konsequenzen führt. SPD und Union, die sich heute in den Koalitionsverhandlungen über die zukünftige Finanzpolitik verständigen, wollen spätestens 2007 die EU-Kriterien wieder einhalten.

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