Optimismus
Verbraucher in Europa bleiben in Kauflaune

Trotz der tiefsten Rezession seit den 1930er Jahren und drohender Jobverluste ist die Kauflaune der Verbraucher in Europa ungebrochen: In Frankreich steigt das entsprechende Barometer, in Italien bleibt es stabil.

HB PARIS/ROM. In Frankreich legte der Index für das Verbrauchervertrauen im Mai sogar zu, in Italien notierte das Barometer unverändert auf dem höchsten Stand seit Dezember 2007, wie aus Daten vom Mittwoch hervorgeht. Manche Experten gehen davon aus, dass die rückläufige Inflation in der Rezession Kaufkraft bewahrt und so die Einkommensverluste wegen der steigenden Arbeitslosigkeit abgefedert werden können. „Wenn das so bleibt, könnte das die Ausgaben der Verbraucher in stützen“, sagte Ben May von Capital Economics.

Der Index für das französische Verbrauchervertrauen stieg auf minus 40 Punkte von minus 41 Zählern im Vormonat, wie das Statistikamt Insee mitteilte. Für Italien errechneten die Forscher des Instituts Isae einen Wert von 104,9 Punkten, wie auch schon im April. Bereits am Dienstag hatten die Marktforscher der Nürnberger GfK für Deutschland im Juni ebenfalls ein unverändertes Konsumklima vorhergesagt; in den USA blicken die Verbraucher wieder optimistischer in die Zukunft. Allerdings ist das Niveau in allen Ländern niedrig im historischen Vergleich.

Ob sich das auch in den Kassen der Einzelhändler bemerkbar macht, ist unklar; Daten zu den Konsumausgaben für Mai liegen noch nicht vor. Zuletzt musste der Einzelhandel aber Rückschläge hinnehmen. So gingen die Umsätze der Händler in Spanien im April bereits den 17. Monat in Folge zurück – das Tempo schwächte sich aber zum zweiten Mal ab. Verglichen mit dem Vorjahr hatten die Einzelhändler in dem von einer Immobilienkrise besonders hart getroffenen südeuropäischen Land 7,5 Prozent weniger in den Kassen. Frühestens Ende 2010 sei hier mit einer Rückkehr zur Normalität zu rechnen, sagte Xavier Segura von der Bank Caixa Catalunya. Allerdings sei der Tiefpunkt vermutlich durchschritten.

Die Euro-Zone steckt derzeit in der ersten Rezession ihrer Geschichte; in vielen Ländern ist der Einbruch der Konjunktur so stark wie nie seit der Weltwirtschaftskrise Anfang der 1930er Jahre. Die Europäische Kommission geht davon aus, dass in den 27 EU-Ländern die Arbeitslosenquote 2010 auf 10,9 Prozent steigt, von 7,0 Prozent im vergangenen Jahr. Insgesamt fielen 9,5 Millionen Arbeitsplätze weg, zwei Drittel davon in den 16 Ländern der Euro-Zone. Fachleute befürchten, dass dies den privaten Verbrauch kräftig belastet: „Die niedrige Inflation stärkt zwar die Kaufkraft der Verbraucher, aber das wird nicht ausreichen, um einen Einbruch beim privaten Konsum auszugleichen“, sagte Commerzbank-Experte Simon Junker.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%