Optimistischer Ausblick
BDA-Chef Hundt für Maßregelung der Märkte

Vor dem Weltfinanzgipfel in London hat Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt eine strikte Kontrolle der Finanzmärkte verlangt. "Der zügellose Kapitalismus ist gescheitert", sagte der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) dem "Hamburger Abendblatt".

HB HAMBURG/BERLIN. "Wir benötigen eine Finanzmarktarchitektur mit strengen internationalen Regelungen und entsprechender Überwachung." Hundt betonte: "Eine Krise, wie wir sie jetzt erleben, darf sich nicht wiederholen."

Regelungen zu Managervergütungen lehnte Hundt allerdings ab. "Die Höhe von Managergehältern kann und darf keine staatliche Angelegenheit sein", sagte Hundt. "Es liegt ausschließlich in der Verantwortung der Eigentümer, die Gehälter des Managements festzulegen. Dies gehört zu den Prinzipien der Marktwirtschaft." In Übereinstimmung mit Bundespräsident Horst Köhler rief Hundt zum Maßhalten auf. "Wir sollten alle über eine größere Bescheidenheit nachdenken - und zwar weltweit", sagte er. "Wir haben in der Vergangenheit überzogen." Das gelte nicht nur für Manager, sondern allgemein.

rtr BERLIN. Entgegen immer pessimistischeren Konjunkturprognosen rechnet Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt bald mit einer leichten Erholung in Deutschland. "Ich denke, wir befinden uns zurzeit am Tiefpunkt", sagte Hundt dem "Hamburger Abendblatt" vom Samstag. In wichtigen Branchen wie der Automobilindustrie und dem Maschinenbau werde der Abschwung nicht noch weiter gehen. Er sei "optimistisch, dass wir im zweiten Halbjahr in eine leichte Aufwärtsentwicklung einmünden". Zwar gebe es Hinweise, dass die Prognose der Bundesregierung von minus 2,25 Prozent zu optimistisch sei. "Aber ich erwarte nicht, dass die negativsten Zahlen, die derzeit kursieren, Realität werden", sagte Hundt.

Der Chef des Bundesverbands der Deutschen Arbeitgeber (BDA) widersprach auch den schlimmsten Befürchtungen für den Arbeitsmarkt: "Wir werden einen weiteren Anstieg in der Arbeitslosigkeit haben, aber ich denke nicht, dass wir zum Jahresende 2009 über die Vier-Millionen-Grenze kommen." Zugleich kritisierte Hundt die jüngsten Streitigkeiten in der großen Koalition. Angesichts der weltweiten Wirtschaftskrise müsse die Regierung vielmehr alles tun, um Vertrauen wiederherzustellen.

DGB-Chef Michael Sommer appellierte an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), sich für wirklich strenge Regeln der internationalen Finanzmärkte einzusetzen. "Wenn die Kanzlerin sagt, sie wolle sich für den Export der sozialen Marktwirtschaft einsetzen, muss mehr dabei herauskommen als Absichtserklärungen", sagte der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) der "Wirtschaftswoche". Sommer warnte die Bundesregierung zudem, sich überstürzt an einem internationalen Konjunkturpaket zu beteiligen. Er halte es für sinnvoll, "die nationalen Maßnahmen alle zwei Monate zu überprüfen, statt sich an einem internationalen Konjunkturkonzert zu beteiligen".

Banken und Institute hatten sich zuletzt mit düsteren Prognosen für die deutsche Wirtschaft immer weiter überboten. An die Spitze der Konjunkturpessimisten setzte sich die Commerzbank, die am vergangenen Montag für 2009 einen Einbruch der Wirtschaftsleistung von sechs bis sieben Prozent vorausgesagte. Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) und das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) rechnen inzwischen mit einem Minus von fünf beziehungsweise 4,3 Prozent. Zudem erwarten sie für 2010 nur ein Mini-Wachstum, das den Anstieg der Arbeitslosenzahl in Richtung fünf Mio. nicht stoppen könne.

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