Peru
Das Musterland an der Pazifikküste

Peru ist auf der Überholspur. Ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass das südamerikanische Land beim Einkommensanstieg sogar mit China mithalten kann. In der Rohstoffsparte ist Peru schon ein Global Player.
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Der Aufschwung in Lateinamerika hat nach der Atlantik- auch die Pazifikküste erfasst. Seit 15 Jahren schon wächst Peru meist doppelt so schnell wie der Rest Lateinamerikas. Die letzten zehn Jahre legte die Wirtschaft trotz der weltweiten Krise im Schnitt um sieben Prozent jährlich zu. Ähnlich schnell wie in China steigt das Pro-Kopf-Einkommen der 32 Millionen Peruaner: Es hat sich in der letzten Dekade verdreifacht.

Perus Hauptstadt Lima hat sich rasant gewandelt. Überall in der Acht-Millionen-Einwohner-Metropole am Pazifik entstehen Büro- und Wohnviertel und Einkaufszentren. Neue Autos verstopfen die Straßen. Doch der Boom bleibt bisher auf die Küstenregionen beschränkt. Die arme Landbevölkerung in den Anden hat daran kaum Teil.

Massive Investitionen in- und ausländischer Konzerne in Bergbau und Energie haben den Aufschwung getrieben. Peru ist der zweitgrößte Produzent von Kupfer und Silber und spielt auch bei Gold, Zink, Blei und einem Dutzend anderer Metalle eine führende Rolle auf dem Weltmarkt. Reiche Öl- und Gasreserven kommen hinzu. Auch die moderne Landwirtschaft und Fischerei sind wichtige Exportbranchen. Ein Ende ist nicht in Sicht: 51 Milliarden Dollar wollen Unternehmen bis 2016 in Minen, Kraftwerke sowie Öl- und Gasfelder investieren. Brasilianische Firmen modernisieren die Infrastruktur im Land. Peru soll für den großen Nachbarn das Tor nach Asien werden.

"Peru ist dabei, in die erste Liga der aufstrebenden Staaten weltweit aufzusteigen", sagt der Investmentbanker Walter Molano von BCP Sec. "Es ist eine der beeindruckendsten Erfolgsgeschichten der Weltwirtschaft." Vertrauensfördernd für Investoren ist, dass der Staat sehr solide wirtschaftet: Der Staatshaushalt ist im Plus, die Staatsverschuldung mit 22 Prozent der Wirtschaftsleistung sehr niedrig. Auch die Inflation ist unter Kontrolle.

"In den letzten Jahren konnte Peru seine institutionellen Rahmenbedingungen kontinuierlich verbessern", schreibt Prognos. Das Institut bemängelt jedoch die instabile Regierung und das von regelmäßigen Streiks und Skandalen erschütterte politische Leben. Die Regierung müsse mehr gegen die verbreitete Armut unternehmen und in Bildung investieren.

Für deutsche Unternehmen ist Peru der Studie zufolge vor allem als Exportmarkt interessant. Nur in der dominierenden chemischen Industrie, vor allem in der Petrochemie, würden sich Investitionen lohnen. Gute Exportchancen gibt es hingegen in vielen Bereichen. So könnten die deutschen Hersteller von Luxusautos vom zunehmenden Wohlstand der Peruaner profitieren.

Besonders interessant ist der expandierende Bergbau. "Maschinenbauer können mit einer deutlich steigenden Nachfrage nach ihren Produkten rechnen", heißt es bei Prognos. Da der Massenmarkt vorwiegend durch günstigere asiatische Maschinen bedient werde, rät die Auslandshandelskammer in Peru den deutschen Maschinenbauern, größeren Wert auf begleitende Dienstleistungen zu legen. Der Ausbau der Energieinfrastruktur biete der deutschen Elektroindustrie gute Chancen.

Das gilt laut Prognos auch für das Gesundheitswesen. "Die neue Regierung forciert den Ausbau der Gesundheitsinfrastruktur vor allem in den ländlichen Gebieten und stimuliert dadurch die Nachfrage nach medizintechnischen Geräten, wobei der Bedarf fast ausschließlich über Importe gedeckt wird", heißt es in der Studie. Auch deutsche Pharmahersteller dürften davon profitieren.

Alexander Busch
Alexander Busch
Handelsblatt / Korrespondent Südamerika

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  • Es Bürgerkrieg zu nennen ist nicht übertrieben was vor ÜBER 15 Jahren in Peru stattfand. Die fast 70000 Tote die dieser interne Konflikt gefordert hat ist der beste Beweis. Die sozialen Konflikte gab es auch in den vorherigen Regierungen und waren genauso schlimm wie jetzt, Stichwort Arequipazo unter Toledo oder Baguazo unter Alan Garcia. Diese Konflikte heute sind genauso problematisch wie früher und trotzdem ist Peru gewachsen. Was die Korruption betrifft liegt Peru im Mittelfeld laut der Korruptionindex Skala. Den Kokainhandel als wichtigen Standbein der Wirtschaft hinzustellen ist wohl ein wenig übertrieben, denn in Peru werden Kokablätter nicht nur für die Kokainproduktion angebaut. Das grosse Geld machen eher die Kartelle in Kolumbien und Mexiko die den Handel nach USA oder Europa mehrheitlich kontrollieren und organisieren.

    Und von BIP Prognosen war doch hier nie die Rede oder habe ich was überlesen?

  • Ich weiss sehr wohl wie es in Peru noch bei Velasco, Garcia und Fujimori (Montesinos) herging. Peru wächst sehr gut, darüber gibt es keine Zweifel. Diese gibt es sehr wohl ob es so weitergehen wird. Die derzeit schwache Regierung könnte dabei problematisch sein. 169 soziale Konflikte sind dafür ein guter Beweis.

    BIP total ist absolut unbrauchbar im Ländervergleich. Wenn schon taugt diesbezüglich nur das BIP pro Kopf etwas.

    BIP Prognosen sind zu 99% ebenso Quatsch, weil diese auf dem Parameter des unendlichen Wachstum basieren. Das dies nicht der Fall ist wissen wir alle.

    Das es vor 15 Jahren einen Bürgerkrieg in Peru gab, ist wohl sehr übertrieben. Terrorismus und durchgehende Korruption schon. Von dem Terrorismus gibt es noch einige Feuerstellen, die Korruption ist nach wie vor überaus vorhanden. Das durch den Drogenhandel auch viel Geld ins Lande fliesst, darüber gibt es auch keine Zweifel.

  • Der Artikel sagt selbst dass der Boom nicht überall angekommen ist. Aber die hier schreiben haben wohl keine Ahnung aus welchen tiefen Loch Peru gerade herauskommt. Peru glich vor über 15 Jahren fast Somalia. Es gab Bürgerkrieg, Stichwort Sendero Luminoso und Tupac Amaru, Hyperinflation und die Armut bestand aus über 85% der Bevölkerung. Jetzt ist Peru gerade auf der Hälfte des Weges und es gibt noch zweifellos viel tun. Derzeit liegt die Armutsquote bei etwa 30% und die Lebenserwartung bei 76 Jahren. Der BIP liegt bei 300 Mrd US-Dollar und das BIP pro Kopf bei ca 10000 US-Dollar. Damit gehört Peru mittlerweile zu den Middle-Income Nationen.

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