Pessimistisches Geschäftsklima
Die Krise erreicht Japans Industrie

Die Lage der japanischen Wirtschaft verschlechtert sich rapide. Die Anzahl der unzufriedenen Unternehmen hat sich seit Juni verdoppelt, geht aus der gestern veröffentlichen Geschäftsklimaumfrage der Notenbank in Tokio hervor. Insbesondere die Großunternehmen bewerteten das Umfeld erstmals seit fünf Jahren mehrheitlich als ungünstig.

HB TOKIO. „Wir werden keine signifikante Erholung sehen, bis es der Wirtschaft in den USA wieder besser geht“, sagt Chefökonom Yutaka Harada vom Daiwa-Forschungsinstitut. Die USA seien ein wichtiger Absatzmarkt für japanische Unternehmen. Jeder in Japan weiß, was die Krise auf der anderen Seite des Pazifiks für Japan bedeutet: weniger Export, einen stärkeren Yen und damit geringeren Absatz für die Industrie.

Auch die Verbraucher sind durch die vielen schlechten Wirtschaftsnachrichten vorsichtiger geworden. Der Index für das Konsumentenvertrauen in Japan fiel auf den schlechtesten Stand seit 1996. Eine große Mehrheit der Japaner erwartet steigende Preise für die Haushalte und plant, weniger auszugeben. Da wundert es nicht, dass sowohl die Industrie als auch die Dienstleister in der Tankan-Befragung skeptisch in die Zukunft blicken. Im Ausblick für den Dezember übersteigt die Gruppe der Pessimisten die der Optimisten um 20 Prozentpunkte. Auch die Kategorie der „großen Dienstleister“ erwarten mehrheitlich bis Jahresende ungünstige Bedingungen. Die großen Dienstleister waren bislang letzte Bastion der Optimisten in der vierteljährlichen Befragung. Am schlechtesten steht der Mittelstand da. Er steckt durch Konsumverweigerung der Japaner und Produktionsverlagerung nach China ziemlich in der Klemme. Für große Industrieunternehmen ist der Anteil der Pessimisten wie der Optimisten dagegen bisher noch ungefähr ausgeglichen.

In der Interpretation durch Experten sieht die Wirtschaftsstimmung schlecht aus, aber nicht katastrophal. Die Daten weisen zwar auf widrige Umstände in der Wirtschaftswelt hin, sagt Kiichi Murashima, Ökonom bei Nikko Citigroup in Tokio. „Doch die Werte befinden sich immer noch auf einem historisch niedrigen Niveau.“ Es herrsche noch längst nicht so eine Krisenstimmung wie in den frühern 1990er-Jahren und Anfang des Jahrtausends. Besorgnis erregten jedoch die klaren Anzeichen, dass viele Unternehmen geplante Ausgaben verschieben. „Es ist abzusehen, dass das die Investitionen der Industrie in den kommenden Monaten weiter an Fahrt verlieren.“

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