Philipp Hildebrand
Zuchtmeister für die Eidgenossen

Die Schweizer erhalten mit dem Jahreswechsel einen neuen Notenbankchef, der auch vor Konflikten mit UBS & Co. nicht zurückschreckt. Die hätten den gebürtigen Berner viel lieber in der eigenen Vorstandsetage als an der Spitze der Schweizer Notenbank sitzen.
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ZÜRICH. Den Notenbanker sieht man ihm nicht an. Mit leichtem Schritt steigt Philipp Hildebrand auf das kleine Podium im Ballsaal des vornehmen Savoy Hotels in Zürich. Sein Haar ist ebenso glatt gekämmt wie sein Gesicht rasiert. Kein grauer Rauschebart wie Fed-Chef Ben Bernanke, kein buschiger Schnauzer wie sein Amtsvorgänger Jean-Pierre Roth. Der künftige Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB) ist vom Scheitel bis zur Sohle makellos. Doch der Eindruck täuscht. Hildebrand hat Ecken und Kanten, er zeigt sie nur stilvoller als andere.

Zum Beginn des neuen Jahres übernimmt Hildebrand die Führung der SNB. Sein Vorgänger Roth gibt im Savoy seine Abschiedsvorstellung. Roth ist gewissermaßen die Vaterfigur der Schweizer Geldpolitik.

Hildebrand ist mit seinen 46 Jahren weniger Vater als vielmehr ein Zuchtmeister. Aber nicht einer, der die Peitsche laut knallen lässt, sondern der sich mit spitzer Zunge und scharfem Verstand durchzusetzen weiß. Roth und Hildebrand könnten gegensätzlicher nicht sein. Der eine kommt aus der Romandie und pflegt seine französische Muttersprache und Lebensart. Der andere ist in Bern geboren und in Zürich, der Hochburg der Deutsch-Schweiz, zur Schule gegangen. Roth ist bodenständig und pragmatisch, Hildebrand weltgewandt und intellektuell. Hildebrand war er es, der von "Sollbruchstellen" bei den Großbanken gesprochen hat, um sie in der nächsten Krise notfalls zerschlagen zu können. So offen sagen das sonst nur der Brite Mervyn King und der Amerikaner Paul Volcker. Der eine gilt als Maverick unter den Notenbankern, der andere ist seit mehr als 20 Jahren im Ruhestand.

Aber Hildebrand ist kein Außenseiter. Er hat sich ein exzellentes internationales Netzwerk aufgebaut. Hier ein Kaminfeuergespräch mit Bernanke, dort ein Anruf bei US-Finanzminister Tim Geithner. Unter seiner Führung hat die Schweiz erheblichen Einfluss im Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht und im Financial Stability Board.

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