Pimco-Chef El-Erian
„Portugal wird das zweite Griechenland“

Nach Griechenland und Irland hängt auch Portugal weiter am Tropf des Euro-Rettungsschirms. Der Chef des US-Vermögensverwalter Pimco, Mohamed El-Erian, befürchtet eine weitere Eskalation der Finanzlage.
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HamburgDas Euro-Krisenland Portugal wird sich nach Einschätzung des US-Vermögensverwalters Pimco in diesem Jahr zu einem „zweiten Griechenland“ entwickeln. „Unglücklicherweise wird das so sein“, sagte Pimco-Chef Mohamed El-Erian dem „Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Das erste Rettungspaket für die Portugiesen werde sich als unzureichend herausstellen, dann werde das Land seine europäischen Nachbarn um neues Geld bitten, was zu einer Debatte über die Lastenverteilung führe. „Dann werden die Finanzmärkte nervös“, so der Pimco-Chef, dessen Unternehmen den weltgrößten Anleihefonds verwaltet. 

Portugal ist - nach Griechenland und Irland - das dritte Land der Eurozone, das wegen drohender Staatspleite an den internationalen Finanztropf gehängt wurde. Die 2011 zugesagten Finanzhilfen des Euro-Rettungsschirms EFSF und des Internationalen Währungsfonds haben ein Volumen von 78 Milliarden Euro. 

EU-Währungskommissar Olli Rehn hatte dem hoch verschuldeten Land im Südwesten Europas indes erst vor kurzem ein gutes Zeugnis ausgestellt. Das Euro-Land sei bei den Bemühungen zur Sanierung der Staatsfinanzen und zur Wiedererlangung des Vertrauens der Marktteilnehmer „auf richtigem Wege“, versicherte Rehn am Mittwoch. Dabei hob Rehn hervor, die Lage in Portugal unterscheide sich sehr von der Situation Griechenlands. Die Dimension der Krise in beiden Ländern sei nicht zu vergleichen, und in Portugal gebe es einen breiteren politischen Konsens über das Sparprogramm. Außerdem zeige die portugiesische Haushaltssanierung bereits erste Wirkungen.

 

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Pimco-Chef El-Erian: „Portugal wird das zweite Griechenland“"

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  • ... am 5. Mai, Stuttgart, und am 16. Juni nochmals in Karlsruhe geht es weiter: http://eurodemostuttgart.files.wordpress.com/2012/02/120215-kopfstehen.jpg

    Die Zeit läuft ab. Es reicht nicht mehr, sich nur in Kommentaren auszulassen, sondern der BÜRGE muß auf die Straße, damit die Politiker sehen, daß es tatsächlich viele sind, die diesen Ausverkauf nicht mehr mittragen wollen.

  • Ich kann die Skepsis verstehen, aber man kann sich die Zahlen ja mal anschauen: zum Jahresende hatten die Griechen rund 370 Mrd. Schulden, davon wurden etwas mehr als die Hälfte gestrichen. Die restlichen 170 Mrd. verteilen sich auf die nun freigegebenen 130 Mrd. und die Gelder des ersten Rettungspakets. Fazit: die Griechen werden fast komplett umgeschuldet und zwar mit Geld der EU und zu 2%, die bis 2020 auf 4,3% steigen sollen.

    Nochmal in Kürze: statt 9 - 20% (je nach Anleihe) auf 170% des BIP zahlen die jetzt nur noch 2 - 4,3% auf 80 bis 90% des BIP. Die Ersparnis ist offensichtlich und entspricht über 10% des BIP, die nun nicht mehr an Zinsen aufgebracht werden müssen und die in etwa der letzten Defizitquote entsprechen.

    Natürlich muss nun erstmal die Negativdynamik der Wirtschaft gedreht werden, was nicht so leicht wird, weshalb ja auch die EU davon ausgeht, dass die Staatsquote auf bis zu 120% des BIP wieder ansteigen kann (über die nächsten Jahre).

    Und da Sie, ich, Herr Schäuble und alle anderen Deutschen zusammen nun 27% der griechischen Staatsanleihen besitzen, wären wir schön blöd, wenn wir die Griechen nun ihre Drachme zurückgäben. Denn wenn sich der Wert der Drachme halbiert und die Schulden weiter in Euro gerechnet werden, dann steht deren Schuldenquote ganz schnell bei 200% des BIP und dann sehen wir auch keine Zinsen mehr. Aber so wie es jetzt aussieht, gibt es nur Gewinner ;-)
    (wenn man von den Banken absieht)

  • @ S2c

    Tut mir leid, schlechte Nachrichten für Sie.

    Der Schuldenschnitt war nicht ausreichend hoch angesetzt. Griechenland gibt jeden Tag mehr Geld aus, als es einnimmt. Daran lässt sich mit den Troika-Maßnahmen auch nichts ändern. Daher ist die erneute Zahlungsunfähigkeit Griechenlands, auch mit allen bisherigen "Hilfsmaßnahmen", bereits vollständig absehbar. Im Übrigen: Warum braucht Griechenland denn Geld? An wen fließt es? Es wird für Zinszahlungen benötigt! Produktiv eingesetzt werden kann von den Hilfszahlungen fast nichts mehr. Griechenland ist wahrscheinlich noch dieses Jahr, ganz sicher aber 2013 erneut zahlungsunfähig.

    Bestimmte Gesetzmäßigkeiten gelten nun einmal in der Finanzwelt, egal ob Drachme oder Euro.

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