Politik in Schusslinie
Ökonomen kritisieren Krisenmanagement

Weltweit führende Ökonomen haben das Krisenmanagement der Politik kritisiert. Das geht aus einem Mehrpersoneninterview des Handelsblattes hervor. "Ich möchte mich nicht zum Verhalten einzelner Regierungen äußern", sagte der Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds (IWF), Olivier Blanchard, zwar.

DÜSSELDORF. Aber: "Im Allgemeinen haben Regierungen langsamer reagiert als optimal gewesen wäre." Erst nachdem sich die Finanzkrise im Oktober verschärfte, hätten sie umfassende Finanzprogramme eingeführt. Diese würden allerdings nur langsam umgesetzt und nicht immer mit der notwendigen Klarheit. "Jetzt, wo die Krise sich mit voller Kraft auf die Realwirtschaft auswirkt und die private Nachfrage einbricht, sind aggressive Konjunkturpakete gefragt", sagte Blanchard dem Handelsblatt.

Die Eingriffe Deutschlands in den Finanzmarkt seien zwar "ähnlich massiv" wie in vielen anderen Ländern auch gewesen, sagte der Chefvolkswirt des Conference Boards, Bart van Ark. "Aber das steuerliche Anreizprogramm war im internationalen Vergleich relativ bescheiden." Noch lasse sich nicht abschätzen, ob die vorsichtigen steuerlichen Maßnahmen ausreichend sein werden, um das Vertrauen der Investoren und Konsumenten wiederherzustellen. "Letztlich ist es eine Vertrauenskrise, und kleine positive Gesten reichen hier nicht aus", sagte van Ark dem Handelsblatt.

Die Reaktionen der Zentralbanken auf die Krise wurde von den hochrangigen Ökonomen dagegen gelobt. "Wir haben koordinierte und rechtzeitige Reaktionen gesehen", sagte der Chefvolkswirt der Weltbank, Justin Lin, dem Handelsblatt. "Im Großen und Ganzen haben die Zentralbanken gute Arbeit geleistet", sagte auch IWF-Chefvolkswirt Olivier Blanchard. Sie hätten die Zinsen gesenkt, als klar wurde, dass dies notwendig sei und eine wachsende Anzahl an Finanzinstitutionen mit Liquidität versorgt gegen eine erweiterte Auswahl an Sicherheiten.

Dass die Zentralbanken grundsätzlich richtig gehandelt haben, "indem sie auf die Liquiditätsengpässe schnell und auch mit unkonventionellen Maßnahmen reagiert haben", meint zwar auch die Wirtschaftsweise Beatrice Weder di Mauro. "Je mehr die Krise von der Liquiditäts- zur Solvenzkrise mutierte, stießen die Zentralbanken jedoch an ihre Grenzen", sagte sie.

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