Präsident Kirchner ruft zum Boykott von Preistreibern auf
Argentinien will Inflation mit restriktiver Geldpolitik bekämpfen

Gerade erst ist es der argentinischen Regierung gelungen, die Staatsschulden zu halbieren – jetzt droht Inflation den Erfolg aufzuzehren.

BUENOS AIRES. Durch geschickte Verhandlungen hatte die Regierung die internationalen Gläubiger seiner Anleihen zu einem Verzicht auf Forderungen in Höhe von über 50 Milliarden US-Dollar bewegt. In Folge sank die Schuldenlast von 150 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) auf knapp 80 Prozent.

Doch nun meldet sich die Inflation zurück: Die Konsumentenpreise stiegen im Januar um 7,2 Prozent im Jahresvergleich, im Februar um 8,1 Prozent. 2004 lag die durchschnittliche Jahresinflationsrate noch bei 6,1 Prozent. Dieses Jahr dürfte die Teuerung auf neun bis zehn Prozent steigen, erwarten Volkswirte. Die Zentralbank gibt einen Zielkorridor von fünf bis 10,5 Prozent vor.

Noch sind die Inflationszahlen nicht beängstigend und ein Vergleich mit der argentinischen Hyperinflation Ende der 80er-Jahre, wie er mancherorts schon gezogen wird, wäre stark übertrieben. Aber die Zahlen sind ein deutliches Signal, dass es Zeit ist, gegenzusteuern.

Ursachen für die Preisanstiege sind das kräftige Wirtschaftswachstum und eine lockere Geldpolitik. 2003 und 2004 wuchs die Wirtschaftsleistung jeweils um rund neun Prozent gegenüber dem Vorjahr. „Der Inflationsanstieg sollte niemanden überraschend, denn er ist das Resultat einer Politik, die auf eine Steigerung der aggregierten Nachfrage gerichtet ist zu einem Zeitpunkt, wo einige Wirtschaftssektoren ihre Kapazitätsgrenze erreichen“, analysiert der Ökonom und ehemalige argentinische Vizewirtschaftsminister Miguel Kiguel. Die Zentralbank hat das Wachstum begünstigt: Durch permanente Interventionen auf dem Devisenmarkt zugunsten eines schwachen, exportfreundlichen Pesos hat sie die Geldmenge stark ausgeweitet. Auch die Regierung gab Hilfestellung: Sie erhöhte die laufenden Ausgaben von 2002 bis 2004 um rund 60 Prozent. Außerdem verfügte sie eine deutliche Erhöhungen der Nominallöhne im öffentlichen Sektor. Und die Erhöhung der seit drei Jahren extrem niedrigen Löhne in der Energieversorgungswirtschaft steht in diesem Jahr noch bevor. „Höhere Zinsen, eine Aufwertung des Pesos und mehr Umsicht bei Lohnerhöhungen sind unvermeidbar“, sagt Kiguel.

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