Preisauftrieb
China setzt zum Befreiungsschlag gegen Inflation an

Chinas Wirtschaftswachstum treibt die Lebensmittelpreise. Nun will die Regierung die Inflation mit „energischen Schritten“ bekämpfen. Die Märkte glauben nicht an Preiskontrollen - und bereiten sich auf eine Zinserhöhung vor.
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HB PEKING. China will den rasanten Anstieg der Inflation notfalls mit Preiskontrollen abbremsen. Vorübergehend werde die Regierung die Preise von wichtigen Produkten wie Lebensmitteln vorschreiben, falls sich diese zu schnell verteuern, erklärte die Regierung am Mittwoch in Peking. Das Land werde mit energischen Schritten die Verbraucherpreise stabilisieren und habe dabei etwa Weizen, Öl, Zucker und Baumwolle im Blick. Hier will die Regierung zunächst mit Hilfe der staatlichen Vorräte das Angebot erhöhen und außerdem Spekulanten bekämpfen.

Zu der an den Finanzmärkten mit großer Spannung beobachteten Geldpolitik äußerte sich das Kabinett zwar nicht. Nach Ansicht von Volkswirten kann die Regierung die Inflation mit Preiskontrollen jedoch nicht dauerhaft unter Kontrolle bringen. Deshalb erwarten sie, dass die Notenbank die Zügel anziehen muss, indem sie bald die Zinsen erhöht.

Die Inflation in China war angesichts des rasanten Wirtschaftswachstums im Oktober mit 4,4 Prozent auf den höchsten Stand seit 25 Monaten gestiegen. Die Preise für Nahrungsmittel sind in den vergangenen zwölf Monaten um 10,1 Prozent gestiegen. Das trifft vor allem Hunderte Mio. arme Chinesen, die einen Großteil ihres Geldes für Essen ausgeben. Alle anderen Waren und Dienstleistungen verteuerten sich dagegen im Schnitt nur um 1,6 Prozent.

Bei Preiskontrollen dürfte es jedoch nach Ansicht von Volkswirten nicht bleiben. „Vielen Regierungsmitgliedern muss klar sein, dass Preiskontrollen nicht so effektiv sind“, gab Kevin Lai von Daiwa Capital Markets zu bedenken. Wenn es der Regierung mit der Zügelung der Inflation ernst sei, müsse sie das Wachstum der Geldmenge bremsen. Deshalb werde die Notenbank voraussichtlich innerhalb von zwei Wochen zum zweiten Mal in diesem Jahr die Zinsen erhöhen. Shi Chenyu von der Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) warnte, dass die Regierung wohl vor zu scharfen Preiskontrollen bei Grundnahrungsmitteln zurückschrecken werde, um die Einkommen der Bauern nicht zu belasten. Diese haben bislang kräftig von den steigenden Preisen profitiert - und die Regierung hat sich grundsätzlich auf die Fahnen geschrieben, den Lebensstandard auf dem Lande zu erhöhen.

Das Vorgehen der Regierung gegen die Inflation hat zuletzt an den globalen Aktienmärkten für große Nervosität gesorgt, weil sie hierzu die Wirtschaft abbremsen könnte - derzeit das Zugpferd der Weltkonjunktur. Diese Aussicht hat chinesische Aktien innerhalb von vier Tagen um elf Prozent gedrückt. Die scharf formulierte Stellungnahme des Kabinetts signalisiere, dass die Eindämmung der Inflation für die Regierung nun höchste Priorität habe, hieß es.

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