Preisauftrieb in Deutschland
Hoffnung auf niedrige Inflation

Die Inflation im Euro-Raum dürfte ihren Höhepunkt überschritten haben. Das schlussfolgern Ökonomen aus der Entwicklung der Teuerungsrate des Währungsgebietes im August. Die Verbraucherpreise waren im laufenden Monat um 3,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen. Das teilte Eurostat nach einer ersten Vorabschätzung mit.

FRANKFURT. Noch in den beiden Vormonaten hatte die Inflation mit jeweils 4,0 Prozent den höchsten Stand seit der Einführung des Euro verzeichnet.

Volkswirte hatten zwar erwartet, dass die Teuerung im Jahresverlauf nachlassen würde - für August hatten sie mehrheitlich aber nochmals mit einer Jahresrate von vier Prozent gerechnet. Auch Ratsmitglieder der Europäischen Zentralbank (EZB) hatten diesen Eindruck zu Wochenbeginn gestärkt. Die Inflation sei "nach wie vor die Sorge Nummer eins der Notenbanker im Euro-Raum", hatte Bundesbankpräsident Axel Weber, der im Rat der EZB mit über die Zinspolitik in der Währungsunion entscheidet, gesagt. Damit hatte er der Hoffnung vieler Marktteilnehmer auf eine rasche Zinssenkung eine Absage erteilt.

Die verringerte Preisauftrieb in Deutschland hatte aber bereits darauf hingedeutet, dass der Höhepunkt überschritten sein könnte. In der größten Volkswirtschaft des Euro-Raums hatte sich der Verbraucherpreisindex im August gegenüber August 2007 um 3,1 Prozent erhöht nach 3,3 Prozent im Vormonat. Ausschlaggebend für die Preisentwicklung waren dem Amt zufolge relativ starke Preisrückgänge bei Heizöl und Kraftstoffen - rechne man beides raus, läge die Jahresrate der jeweiligen Bundesländer zwischen 2,2 und 2,7 Prozent.

Bei den Nahrungsmitteln lagen die Jahresraten allerdings immer noch zwischen 6,2 und 8,5 Prozent und damit auf hohem Niveau. Obwohl die Teuerung im August auch in der gesamten Währungsunion weniger stark angestiegen war als zuletzt, liegt sie weiterhin doppelt so hoch wie die Preisstabilitätsnorm der europäischen Währungshüter: Die EZB sieht die Preisstabilität bei einer Inflation von "unter, aber nahe zwei Prozent" erreicht.

Dieser Wert wird frühestens im kommenden Jahr erreicht, prognostiziert Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Bank of America für die Euro-Zone. Der Preisschub, der Ende 2007 und Anfang 2008 von den Öl- und Nahrungsmittelpreisen ausgegangen sei, werde sich abflauen und die Inflationsrate "wahrscheinlich" bis Dezember auf 3,1 Prozent zurückgehen. Damit das von der EZB ausgegebene Ziel bis zur Jahresmitte 2009 erreicht werden könne, dürfe der Ölpreis sein gegenwärtiges Niveau allerdings nicht überschreiten, kommentierte Schmieding. Unter dieser Voraussetzung halten es die Ökonomen der Commerzbank für möglich, dass die Rate in Deutschland bereits am Jahresende "zeitweise der Zwei-Prozent-Marke sehr nahe" komme.

Im Vormonatsvergleich dürften die Verbraucherpreise auch in der Euro-Zone gesunken sein, haben Bankvolkswirte berechnet. Bei der ausgewiesenen Jahresteuerungsrate von 3,8 Prozent dürften sie um 0,2 Prozent zurückgegangen sein. Amtliche Zahlen über den Vormonatsvergleich veröffentlichen die europäischen Statistiker erst am 16. September. An diesem Tag werden auch die endgültigen August-Ergebnisse für Deutschland bekannt gegeben.

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