Preisdaten des Statistischen Bundesamtes
Anstieg der Erzeugerpreise stark gebremst

Die deutschen Erzeugerpreise sind im April im Jahresvergleich um 1,6 Prozent gestiegen - so langsam wie seit Juni 2004 nicht mehr. Im März lag die Jahresrate noch bei 2,5 Prozent. Niedrigere Energiepreise und ein statistischer Basiseffekt bremsten den Anstieg. Ohne Energie blieb der Preisdruck aber hoch.

DÜSSELDORF. Die Bankvolkswirte hatten im Vorfeld der am Freitag vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Preisdaten auf der Erzeugerebene mit einem weitaus geringeren Bremseffekt gerechnet und erwartet, dass die Erzeugerpreise gegenüber dem Vorjahresmonat um 2,0 Prozent und gegenüber März um 0,4 Prozent steigen. Tatsächlich zogen die Erzeugerpreise gegenüber dem Vormonat aber nur um 0,1 Prozent nach 0,3 Prozent im März an. Vor einem Jahr waren die Erzeugerpreise im Monatsvergleich dagegen im April um 1,0 Prozent geklettert, dieser Anstieg ist jetzt aus der Jahresrate herausgefallen (Basiseffekt), was die Teuerungsrate im Jahresvergleich deutlich um 0,9 Prozentpunkte auf 1,6 Prozent nach unten gedrückt hat.

Bremseffekte gingen außerdem von den Energiepreisen aus, die nach Angaben der Statistiker im April erstmals seit März 2004 - also seit gut drei Jahren - niedriger waren als ein Jahr zuvor. Die Verbilligung machte 1,9 Prozent aus. Auch gegenüber März ermäßigten sich die Energiepreise um 0,8 Prozent, wobei Preissenkungen für Erdgas um 5,2 Prozent den größten Einfluss ausgeübt haben dürften. Bei schwerem und leichtem Heizöl, Kraftstoffen, Flüssiggas und Strom zogen die Preise gegenüber dem Vormonat dagegen unterschiedlich stark an, sie waren aber günstiger zu haben als im Vorjahresmonat. So mussten gewerbliche Sondervertragskunden für Strom im April 4,9 Prozent weniger zahlen als ein Jahr zuvor, für Benzin und Dieselkraftstoff gaben die Erzeugerpreise um 1,2 Prozent auf Jahressicht nach.

Ob sich der Anstieg der Erzeugerpreise im Mai in ähnlich moderaten Grenzen halten wird, ist noch keineswegs ausgemacht. Auf Jahressicht könnte es durchaus zu einer wieder höheren Teuerungsrate kommen, wenn der derzeitige Steigerungseffekt bei Kraftstoffen nicht durch einen anhaltenden Preisrückgang bei den im Gewicht bedeutsameren Segmenten Erdgas und Strom ausgeglichen werden kann. Nur wenn die gesamten Erzeugerpreise im Mai wie vor einem Jahr gegenüber April lediglich um 0,1 Prozent steigen, wird die Teuerungsrate auf dem April-Niveau von 1,6 Prozent bleiben. Dabei darf auch nicht übersehen werden, dass der Erzeugerpreisindex ohne Energie auf relativ hohem Niveau verharrt. Klammert man die stark schwankenden Preise für die Energiesparte aus, erhöhten sich die Erzeugerpreise im April gegenüber dem Vorjahresmonat um 2,9 Prozent - das ist nur minimal weniger als im März mit 3,0 Prozent und spricht für einen kaum verminderten Preisdruck im Kern.

Eine wesentliche Ursache für diese ungebrochene Kerninflation ist der investitionsgetriebene Aufschwung in der Welt und in Deutschland. Deshalb ziehen gerade die Preise für Vorleistungsgüter seit Monaten im Jahresvergleich stark an. Im April waren es 5,3 Prozent, im März 5,5 Prozent. Den Statistikern bezeichnen seit geraumer Zeit in diesem Zusammenhang die Preisanstiege bei Metallen und Metallerzeugnissen als "auffällig". Dabei handelt es sich um Vorprodukte, die im Automobilbau, im Maschinenbau und beim Hoch- und Tiefbau zum Einsatz kommen.So verteuerte sich Walzstahl zuletzt auf Jahressicht um 16,4 Prozent, für Rohre aus Eisen oder Stahl mussten 11,4 Prozent mehr bezahlt werden, für Drahtwaren sogar 16,2 Prozent mehr.

Auch die zunehmende Bereitschaft, erneuerbare Energien einzusetzen, fordert ihren Preis. Holzhackschnitzel, die beispielsweise für Heizzwecke zum Einsatz kommen, waren im April 57,9 Prozent teurer als ein Jahr zuvor. Der steigende Holzbedarf für die Energiegewinnung verknappt gleichzeitig das Angebot für die Zimmerer und Schreiner im Baugewerbe sowie die Möbel- und Küchenhersteller. Sie bekamen dies im April beim Preisanstieg für Nadelschnittholz um 24,4 Prozent und für Spanplatten um 17,2 Prozent zu spüren. Eine leichte Entspannung bei den Holzpreisen ist allerdings möglich, sobald das durch den Orkan Kyrill entstandene Schadensholz in den Wirtschaftskreislauf gelangt.

Die Erzeugerpreise ziehen allerdings auch sonst auf relativ breiter Front an. Dies kann als Hinweis darauf gewertet werden, dass der Aufschwung an Breite gewinnt. Denn die Statistiker stellen immer mehr signifikante Preissteigerungen in Bereichen fest, die außerhalb der Baubelebung und des Investitionsbooms angesiedelt sind, beispielsweise bei Verlagserzeugnissen, Bier, Backwaren, Tabakerzeugnissen und Möbeln. Die Erzeugerpreise für diese dem privaten Konsum zuzurechnenden Segmente stiegen auf Jahressicht im April zwischen 1,7 und 5,3 Prozent.

Dabei handelt es sich aber keineswegs um Mehrwertsteuereffekte. Denn die Mehrwertsteuer und damit auch deren Anhebung spielen auf der Erzeugerpreisebene keine Rolle - sie fallen erst beim Endverbraucher an. Aus den Zahlen kann man daher den Schluss ziehen, dass es auch den Unternehmen in den konsumnahen Branchen im Zuge des Aufschwungs immer leichter fällt, Kostensteigerungen (beispielsweise für Getreide in der Bier- und Brotproduktion) in ihren Abgabepreisen weiterzugeben. Lediglich im Datenverarbeitungs- und Telekommunikationsbereich können sich die Endverbraucher weiterhin auf im Monats- wie im Jahresvergleich rückläufige Preise einstellen.

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