Preise steigen schnell
Agrarboom mit Nebenwirkungen

Während die Nachfrage nach Lebensmitteln, gerade im asiatischen Raum, steigt, steht gleichzeitig immer weniger Anbaufläche zur Verfügung. Die Folge: stark ansteigende Preise – auch der deutsche Markt war davon bereits betroffen. Entspannung ist nicht in Sicht, denn das Problem wird durch den Boom der Bioenergie noch weiter verschärft.

GENF. Die Welt muss sich in den kommenden Jahren auf dauerhaft hohe Preise für Grundnahrungsmittel gefasst machen. Bis zum Jahr 2011 drohen Weizen, Milchprodukte, Ölsaaten und andere Agrarprodukte wegen steigender Nachfrage und mangelnder Reserven sehr teuer zu bleiben. „Die Preise in diesem Zeitraum werden weiter über dem Niveau vergangener Jahre verharren und zudem schwanken“, sagte der Sekretär der Getreidegruppe bei der Welternährungsorganisation (FAO), Abdolreza Abbassian, dem Handelsblatt. Erst nach 2011 könnten sie auf breiter Front fallen. „Kaum jemals zuvor konnten wir eine solch große Besorgnis über die Inflation bei den Lebensmitteln beobachten“, formuliert der Fachmann etwas sperrig. Auf vielen Weltmärkten herrsche derzeit „Panik“.

Schon jetzt galoppieren die Preise: Der „FAO food price index“ stieg im September 2007 gegenüber dem September 2006 um rund 37 Prozent. Für Weizen haben Händler 2007 bis zu 80 Prozent mehr als noch ein Jahr zuvor verlangt. Die Preise für Milchprodukte sind um rund 200 Prozent nach oben auf ein historisches Hoch geschossen. Auch Viehpreise, etwa Geflügel, klettern. Der Maispreis erreichte im Februar einen Rekordwert, sank seitdem wieder.

Viele Bauern reiben sich die Hände: „Diejenigen, die auf die richtigen Produkte setzen, fahren Rekordgewinne ein“, heißt es bei der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Nach einem internen FAO-Papier bauen immer mehr Farmer weltweit Weizen an. Sie hoffen auf weitere Geschäfte mit dem teuren Produkt – allerdings könnte die Ausweitung des Angebots auch die Preise für den Weizen purzeln lassen.

Den Gewinnern in der Landwirtschaft stehen Milliarden Verlierer gegenüber. Die Verbraucher rund um die Welt müssen tiefer in die Tasche greifen. Besonders hart trifft es die Menschen, die einen großen Teil ihres Einkommens für das tägliche Brot hinlegen: die Armen. Im afrikanischen Lesotho etwa haben rund 400 000 der 1,9 Million Bewohner nicht genug zu essen. Insgesamt hungern nach Uno-Angaben 854 Millionen Menschen, seit 1996 stieg die Zahl der chronisch Unterernährten ununterbrochen an. Zu den Verlierer zählen auch die Bauern, die teurer werdende Rohstoffe zur Produktion brauchen: Viehmäster und die Hersteller von Futtermitteln.

Die Ursachen der Preisschübe sind komplex: Aufsteigende Wirtschaftsgiganten wie China und Indien kaufen immer größere Mengen an Lebensmitteln auf, um ihre Milliarden-Bevölkerungen zu versorgen. Das Reich der Mitte wird nach OECD-Prognosen bis 2016 fast die Hälfte der Weltproduktion von Ölsaaten aufsaugen. „Gleichzeitig haben in diesem Jahr führende Agrarnationen unter Produktionsproblemen gelitten“, sagt FAO-Experte Abbassian. So wurde Australien von einer Dürre heimgesucht.

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