Preisstabilität bedroht
EZB-Vize kündigt Zinsschritte an

Der Vizepräsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Lucas Papademos, geht davon aus, dass die EZB ihren Leitzins 2006 noch mehrfach erhöhen wird. Dieser Schritt sei nötig, um die Preisstabilität zu bewahren.

mak FRANKFURT. „Angesichts der Aufwärtsrisiken für die Preisstabilität sind weitere Zinserhöhungen im Laufe dieses Jahres erforderlich, um sicherzustellen, dass die Preisstabilität bewahrt bleibt“, sagte Papademos am Dienstag vor dem Wirschafts- und Währungsausschuss des EU-Parlaments. „Wir sehen aus allen Indikatoren, sowohl harten Daten als auch Umfragen, dass die erwartete Erholung der Wirtschaft stattfindet.“

Nach den Worten von Papademos wird der EZB-Rat auf Basis der aktuellen Einschätzung der Inflationsrisiken über Ausmaß und Tempo künftiger Zinsschritte entscheiden. EZB-Direktoriumsmitglied Gozalez-Paramo wollte am Dienstag in Miami nicht ausschließen, dass die EZB das Tempo ihrer Zinserhöhungen anheben wird. Möglicherweise werde die für Juni anstehende neue Wachstumsprognose der EZB angehoben.

Volkwirte interpretierten die Äußerungen des EZB-Vize unterschiedlich. „Papademos bestätigt die Markterwartungen“, sagte Thomas Mayer, Chefvolkswirt Europa der Deutschen Bank. „Ich gehe davon aus, dass dies mit dem Präsidenten abgesprochen ist.“ Das ist aber eher unwahrscheinlich, weil Trichet noch am Freitag in Washington gesagt hatte, er habe seinen Äußerungen im Anschluss an die April-Pressekonferenz nichts hinzuzufügen.

Thorsten Polleit von Barclays Capital begrüßte die klare Ansage. „Es ist aber ein Novum, dass der EZB-Vize mit einer Klarheit spricht, die der Präsident geflissentlich vermeidet“, sagte Polleit. Trichet müsse noch einmal deutlich machen, wer im Rat das Heft in der Hand halte. Nach Darstellung von Mayer hat Papademos bei Marktteilnehmern die Frage aufgeworfen, ob der nächste Zinsschritt auch 50 Basispunkte sein könnte.

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