Preisstabilität
Was steckt hinter der Inflationsrate?

Die privaten Haushalte in Deutschland geben weniger für Bekleidung, Schuhe, Unterhaltungselektronik und Möbel, gleichzeitig aber mehr für die Energiekosten ihrer Wohnung und Telefongespräche aus. Dies ergibt ein neues Wägungsschema, seit Anfang des Jahres berechnen die Experten die Preisstabilität neu.

DÜSSELDORF. Solche Verschiebungen können aber nicht laufend in der Berechnung der Inflation berücksichtigt werden, weil Mengen- und Strukturveränderungen dann die tatsächlichen Preiseffekte nicht mehr richtig sichtbar werden lassen. In der amtlichen Statistik hat sich daher eingebürgert, den Verbraucherpreisindex alle fünf Jahre zu überarbeiten.

Jetzt ist es wieder so weit. Bereits seit Jahresbeginn gilt ein neues Wägungsschema, das die veränderten Ausgabenstrukturen der Verbraucher des Jahres 2005 berücksichtigt. Gleichzeitig wurden der Preisindex von 2000 auf 2005 als neues Basisjahr umgestellt und methodische Verbesserungen vorgenommen. Bedeutsam ist die Umstellung des Preisindexes auf ein neues Basisjahr beispielsweise für Mietverträge, die Mieterhöhungen an die Veränderung des Preisindexes gekoppelt haben. Denn jetzt gilt für den Durchschnitt des Jahres 2005 der Indexwert von 100 Punkten statt von 108,3 Punkten wie nach der bisherigen Berechnung auf der Grundlage des Jahres 2000.

Um die Vergleichbarkeit zumindest für einige Jahre zu ermöglichen, wurde die Preisstatistik bis 2005 mit dem neuen Wägungsschema und Basisjahr zurückgerechnet. Ergebnis: Nach dem neuen Index war der Anstieg der Verbraucherpreise 2006 etwas schwächer und 2007 etwas stärker als nach dem alten Index. Im Durchschnitt des vergangenen Jahres stiegen die Preise deshalb um 2,3 Prozent und nicht um 2,2 Prozent wie bisher berechnet.

Dabei spielten nicht nur die veränderten Ausgabengewohnheiten der Konsumenten eine Rolle. Zum Tragen kam auch, dass die Erhebungszeiträume für die Kraftstoff-, Bekleidungs- und Reisepreise erweitert wurden. Damit wird beispielsweise die Verteuerung von Ferienwohnungen vor variablen Feiertagen wie Ostern besser erfasst.

Im Rahmen der methodischen Veränderungen wurde auch die wachsende Bedeutung des Einkaufs bei Discountern berücksichtigt. Die neu eingeführte „explizite Geschäftstypengewichtung“ soll künftig regelmäßig angepasst werden, sagte der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Walter Radermacher. Für mehr Transparenz sorgt außerdem, dass im Gesundheitswesen die Preisentwicklung für gesetzlich und privat Versicherte jetzt getrennt veröffentlicht wird. ari

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