Preissteigerung in Deutschland
Niedrige Ölpreise drücken Inflationsrate

Niedriger als es der EZB lieb sein kann: Die Teuerungsrate ist in Deutschland so niedrig wie zuletzt während der Finanzkrise. Verantwortlich sind insbesondere fallende Öl- und Energiepreise.
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BerlinDie Inflation in Deutschland bleibt niedrig. Gebremst vom starken Rückgang der Preise für Heizöl und Sprit stiegen die Verbraucherpreise im Oktober auf Jahressicht erneut nur um 0,8 Prozent. Das berichtete das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden und bestätigte eine erste Schätzung. Damit verharrt die Inflation den vierten Monat in Folge auf ihrem Jahrestief und dem niedrigsten Stand seit Februar 2010. Im Vergleich zum Vormonat sanken die Verbraucherpreise im Oktober um 0,3 Prozent.

Seit mehr als einem Jahr dämpft die Preisentwicklung von Mineralölprodukten die Gesamtteuerung: Im Oktober 2014 kosteten sie 5,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Insbesondere die Preise für leichtes Heizöl (- 10,8 Prozent) und Kraftstoffe (- 3,5 Prozent) sanken erneut kräftig. Ohne Berücksichtigung der Preise für Mineralölprodukte hätte die Inflationsrate im Oktober bei 1,1 Prozent gelegen.

Auch dieser Wert liegt allerdings deutlich unter dem Ziel der Europäischen Zentralbank, die Preisstabilität bei einer jährlichen Teuerungsrate von knapp unter 2 Prozent gewahrt sieht. Dieses Ziel verfehlt die Notenbank seit Anfang 2013. Deshalb hat die EZB ihre Geldpolitik zuletzt in mehreren Schritten weiter gelockert und zusätzliche Maßnahmen in Aussicht gestellt.

Denn die geringe Teuerung stärkt zwar die Kaufkraft der Verbraucher. Währungshüter fürchten aber ein Abgleiten in die Deflation, eine gefährliche Spirale aus rückläufigen Preisen und schrumpfender Wirtschaft.

Im Oktober verbilligte sich Energie insgesamt um 2,3 Prozent zum Vorjahr. Denn dem allgemeinen Trend fallender Energiepreise standen erneut steigende Strompreise (+ 1,8 Prozent) gegenüber.

Auch die Preise für Nahrungsmittel erhöhten sich im Oktober mit 0,7 Prozent auf Jahressicht vergleichsweise schwach. Dabei gab es allerdings sehr unterschiedliche Entwicklungen: Gurken kosteten nach den Angaben 52 Prozent mehr als im Oktober 2013, Kartoffeln 27 Prozent weniger.

Die Preise für Waren insgesamt blieben im Vergleich zum Vorjahresmonat fast stabil. Dabei mussten Verbraucher für Telefone (- 6,6 Prozent) oder Fernsehgeräte (- 9,6 Prozent) weniger bezahlen als im Vorjahr, für Bier und Tabakwaren (jeweils + 3,1 Prozent) sowie Zeitungen und Zeitschriften (+ 4,2 Prozent) hingegen mehr.

Im Dienstleistungssektor stiegen die Preise mit 1,7 Prozent deutlich. Das liegt vor allem an den Nettokaltmieten, für die private Haushalte etwa ein Fünftel ihrer Konsumausgaben aufwenden: Mieter mussten 1,6 Prozent mehr für ihre Wohnung bezahlen als vor einem Jahr.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Preissteigerung in Deutschland: Niedrige Ölpreise drücken Inflationsrate"

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  • Wachstum ist wie die Ölvorräte ... endlich.
    Unternehmen, die ohne Wachstum keine gute Rendite erwirtschaften, sind zum Scheitern verdammt!

  • Die immer wieder vorgetragene Sorge, dass bei einer Deflation die Menschen ihre Ausgaben in die Zukunft verschieben und dadurch die Wirtschaft schrumpft ist wohl eher unwahrscheinlich so lange die Energiepreise die Inflationsbremser sind. Ich werde definitiv auch in diesem Winter heizen, selbst wenn wenn ich nächstes Jahr vielleicht billiger heizen könnte. Der zwanghafte Wille die Inflation in die Höhe zu treiben dient vermutlich vor allem der Sanierung der öffentlichen Haushalte. Es wäre schön, wenn auch das Handelsblatt die verwegenen Hintergründe der EZB-Politik durchleuchten würde.
    Ganz grundsätzlich müsste langsam allen dämmern, dass ein Wirtschaftssystem welches nur mit ständigem Wachstum am leben gehalten werden kann, allmählich eine Runderneuerung braucht. Wäre schön wenn das Handelsblatt dazu beitragen könnte, dieses Thema in den Medien zu besetzen.

  • Welche Inflation ist gemeint?

    Ist die Inflation gemeint, die sich auf den Warenkorb der Rentner, der Bürger bezieht?

    Ist die Inflation der öffentlichen Abgaben, der sonstigen privaten Lebensführung gemeint?

    Oder ist das billigere 5. Handy, dass sich der Rentner im gleichen Jahr zulegen soll, auch wieder eingerechnet?

    Eine einzige Inflationsrate anzugeben ist so, als würde man die Pommesbuden in einen Preisindex für Spezialitätenrestaurants einbeziehen.

    Die Leute müssen doch einmal anfangen zu denken oder man muss feststellen, dass diese Leute schon vorher sich ihres gedacht haben.

    Es ist an der Zeit, dass diese Propaganda einmal journalistisch aufgearbeitet wird.

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