Preisverfall und Dollar-Sinkflug
Japans Wirtschaft droht der Absturz

Der Sinkflug des Dollar versetzt Japans Regierung in helle Aufregung. Die Wechselkursbewegungen machten ihm große Sorgen und Japan könnte darauf reagieren, sagte Finanzminister Hirohisa Fujii am Freitag. Der Dollar gab indessen im Devisenhandel in Fernost abermals nach. Positive Daten lieferte der Jobmarkt.
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HB TOKIO. In Japan hat sich der konjunkturschädliche Preisverfall im Oktober verstärkt. Die Verbraucherpreise ohne die schwankungsanfälligen Lebensmittel sanken im Oktober um 2,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie die Tokioter Regierung am Freitag mitteilte. Eine andere zentrale Kennziffer, bei der auch die Preise für Ölprodukte herausgerechnet werden, sank sogar so schnell wie seit acht Jahren nicht mehr, als Japan zuletzt in eine Deflation stürzte. Das Land steckt der Regierung zufolge bereits wieder in einer „milden Deflationsphase“. Zusammen mit dem Absturz des Dollar dürfte der neuerliche Preisverfall die Rufe nach einem Eingreifen der Bank of Japan lauter werden lassen.

Die US-Währung fiel auf ein 14-Jahrestief von 84,82 Yen. Ein starker Yen schadet den japanischen Exporten, während der heimische Preisverfall Umsatz und Gewinne bei den Unternehmen einbrechen lässt.

Nach dem Sinkflug des Dollar erwägt Japans Regierung ein Eingreifen auf den Devisenmärkten. konkrete Angaben machte Finanzminister Fujii aber nicht. Zudem brachte er eine gemeinsame Erklärung der sieben führenden Industriestaaten (G7) zur Sprache. „Ich würde flexibel auf eine gemeinsame Erklärung zu Währungsfragen reagieren“, sagte der Minister. Auch sei er offen dafür, mit den für Währungsfragen zuständigen Partnern in den USA und Europa Kontakt aufzunehmen.

Unterdessen mehrten sich die Zeichen für ein Eingreifen der Regierung. Finanzministerium und Notenbank Bank of Japan holten Marktteilnehmern zufolge am Morgen bei den Geschäftsbanken Informationen über den Dollar-Kurs ein.

Dank steigender Exporte hatte sich die japanische Wirtschaft zuletzt von der schwersten Rezession der Nachkriegszeit erholt. Vor allem in Asien - dem wichtigsten Exportmarkt - zog die Nachfrage an. Der private Konsum blieb dagegen schwach, auch wegen der vergleichsweise hohen Erwerbslosigkeit. Hier entspannte sich die Lage zuletzt etwas.

Wie die Regierung bekanntgab, sank die Arbeitslosenquote im Oktober von 5,3 Prozent im Vormonat auf 5,1 Prozent und damit im nunmehr dritten Monat in Folge. Hintergrund ist die steigende Produktion angesichts zunehmender Exporte. Auf 100 Jobsuchende kamen 44 offene Stellen, eine mehr als im Vormonat. Im Vergleich zum Vorjahr lag die Zahl der als arbeitslos registrierten Menschen um 890 000 höher bei insgesamt 3,44 Mio. Menschen. Die Lage am Arbeitsmarkt sei weiterhin sehr ernst, hieß es.

Kommentare zu " Preisverfall und Dollar-Sinkflug: Japans Wirtschaft droht der Absturz"

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  • Richtig,auf Devisenkursmanipulationen gehört verzichtet, weil diese immer wieder dazu benutzt werden, sich auf Kosten anderer Vorteile zu verschaffen und Tatsachen zu verschleiern. Die Japaner werden auf ihrem irrweg nicht mehr viel zu manipulieren haben. Unter allen Umständen soll der jetzige Stand gehalten werden, auch wenn die Dämlichkeit dieses Vorhabens klar sichtbar ist.

  • Devisenkursstützung ist nie ein nachhaltiges instrument, sondern immer nur eine indirekte Subvention einer eigentlich nicht konkurrenzfähigen Wirtschaft.

    Das Geld wäre besser in Ausbildung und Produktivitätssteigerung gesteckt, aber wenn man sich seinen eigentlich zu hohen Lebensstandard noch ein paar Jahre verlängern will, bevor dann der Absturz um so stärker erfolgt, bitteschön, jeder gräbt sich sein Grab selber.

    Der Dollar-Preisverfall ist nachhaltig :-)

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