Privater Konsum
Amerikaner senden Hoffnungssignal für US-Konjunktur

Die US-Verbraucher glauben nicht recht an einen Aufschwung. Der private Konsum im August bietet aber einen Lichtblick. Die Amerikaner haben ihre Konsumausgaben etwas kräftiger gesteigert als erwartet.
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HB WASHINGTON. Das Konsumklima hat sich im September eingetrübt, nachdem die Konsumausgaben im August noch gestiegen waren. Der Verbrauchervertrauens-Index von Thomson Reuters und der Universität Michigan fiel im abgelaufenen Monat nach endgültigen Berechnungen vom Freitag im Vergleich zum August um 0,7 auf 68,2 Punkte. Ökonomin Fabienne Riefer von der Postbank sieht die Daten als Beleg, dass die für die Wirtschaft der USA eminent wichtige Konsumentenstimmung weiter auf eher niedrigem Niveau vor sich hin dümpelt. „So lange die US-Haushalte von anhaltenden Verschuldungssorgen geplagt werden und sich keine höheren Beschäftigungszuwächse einstellen, wird sich daran wohl wenig ändern“, sagte sie.

Im August hatten die US-Bürger ihre Konsumausgaben noch etwas kräftiger gesteigert als erwartet. Der private Verbrauch zog um 0,4 Prozent an. Der Konsum hatte bereits im Vormonat im selben Tempo zulegt. Zugleich stiegen die persönlichen Einkommen im August um 0,5 Prozent, nachdem sie im Vormonat nur um 0,2 Prozent zugelegt hatten. „Dies könnte ein früher Hinweis darauf sein, dass sich hier eine Erholung abzeichnet“, sagte Analyst Paul Nolte von Dearborn Partners.

Die Finanzmärkte verfolgen die Entwicklung des Konsums in den USA genau, um die Stärke der wirtschaftlichen Erholung abschätzen zu können. Der private Verbrauch macht in den USA rund 70 Prozent der Wirtschaftsleistung aus. Diese stieg von April bis Juni aufs Jahr hochgerechnet um 1,7 Prozent und damit weit schwächer als zu Jahresbeginn. Im Frühjahr hatte sich der private Konsum besser entwickelt als zunächst angenommen: Er legte um 2,2 Prozent zu und damit so stark wie seit drei Jahren nicht mehr.. Sorgen bereitet jedoch weiter die hohe Arbeitslosigkeit von knapp unter zehn Prozent.

Die US-Industrie verlor im September an Schwung. Der an den Finanzmärkten viel beachtete Konjunkturindex der US-Einkaufsmanager fiel auf 54,4 von 56,3 Punkten im Vormonat, wie das Institute for Supply Management (ISM) mitteilte. Das Barometer liegt damit noch über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten, doch lässt die Dynamik merklich nach..

Im US-Baussektor liegen derzeit Licht und Schatten dicht beieinander: Die Bauausgaben stiegen im August zwar überraschend um 0,4 Prozent. Die privaten Häuslebauer investierten jedoch 0,9 Prozent weniger und gaben insgesamt nur 498,2 Mrd. Euro für die eigenen vier Wände aus. Dies ist das niedrigste Niveau seit Anfang 1998..

Wegen des lauen Wirtschaftsaufschwungs erwägt die Notenbank Fed nun, der schwächelnden Konjunktur mit neuen Geldspritzen auf die Sprünge zu helfen.. Der einflussreiche Chef der Federal Reserve von New York sieht offenbar Bedarf: „Weitere Aktionen könnten wahrscheinlich nötig sein, sollten sich die Perspektiven am Arbeitsmarkt und beim Preisniveau nicht bessern“, sagte Notenbanker William Dudley. Er ist Stellvertreter von US-Notenbankchef Ben Bernanke im Offenmarktausschuss (FOMC) der Zentralbank, dem Gremium, das über Leitzins und geldpolitische Strategie entscheidet.. Nach ähnlichen Äußerungen von Bernanke selbst war zuletzt an den Finanzmärkten über weitere Ankäufe von langlaufenden Anleihen durch die Fed spekuliert worden. Manche Experten rechnen damit, dass es bereits bei der nächsten FOMC-Sitzung Anfang November soweit sein wird.

Kommentare zu " Privater Konsum: Amerikaner senden Hoffnungssignal für US-Konjunktur"

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  • "Die Amerikaner haben ihre Konsumausgaben etwas kräftiger gesteigert als erwarte"

    da frag' ich mich: und wie haben "die Amerikaner" das wohl finanziert?

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