Privater Konsum
Verbraucher verdauen Steuerschock

Die Verbraucher in Deutschland haben die Mehrwertsteuererhöhung offenbar verdaut und mit ihren Einkäufen die deutsche Wirtschaft im Frühjahr zumindest leicht gestützt. Im zweiten Quartal stiegen die privaten Konsumausgaben um 0,6 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Zu Jahresbeginn sah das noch ganz anders aus.

DÜSSELDORF. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte von April bis Juni um 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorquartal zu, meldete das Statistische Bundesamt. Trotz des anspringenden Konsums verlangsamte sich das Wachstum damit deutlich; das BIP war im ersten Quartal um 0,5 Prozent gestiegen. Nicht zuletzt der milde Winter hatte einen erfolgreichen Jahresstart beschert. Der saisonübliche Rückprall verschob sich und fiel mit einem Rückgang der Bauinvestitionen im zweiten Quartal um 4,8 Prozent deutlich aus.

Trotz der Wachstumsverlangsamung im Frühjahr blickten die meisten Volkswirte optimistisch in das zweite Halbjahr. Sie sahen sich durch den anspringenden Konsum in ihren Annahmen bestätigt, dass die Schwäche des zweiten Quartals nur von kurzer Dauer sein werde und bekräftigten mehrheitlich die These, der private Verbrauch könnte sich in der zweiten Jahreshälfte zu einer Stütze des Wirtschaftsaufschwungs entwickeln.

So rechnet der Vorsitzende des Sachverständigenrates, Bert Rürup, damit, „ dass trotz der Mehrwertsteuererhöhung der private Konsum im zweiten Halbjahr aufgrund der erfreulichen Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt anziehen und zu einer Wachstumsstütze werden wird“. Die Voraussetzungen für eine spürbare Erholung der privaten Konsums seien „so gut wie seit Jahren nicht mehr“, sagte Alexander Koch von UniCredit.

Dass die Verbraucher wieder mehr Geld ausgeben, lasse sich etwa an der saisonbereinigt steigenden Zahl der KfZ-Neuzulassungen im Frühjahr sehen, sagt Andreas Scheuerle von der Deka-Bank. Der Konsum-Anstieg um 0,6 Prozent sei „zwar nicht rekordverdächtig“. Wenn der Konsum aber jedes Quartal so stark zulegen würde wie im zweiten, läge das Plus im Gesamtjahr bei 2,4 Prozent – und damit deutlich über dem Durchschnittswert der letzten zehn Jahre, hat er berechnet. „Das unterstreicht die berechtigten Hoffungen, dass der private Konsum im weiteren Verlauf des Jahres sich immer mehr zu einer Wachstumsstütze entwickeln wird.“ Eine Garantie dafür gäben die anziehenden Löhne und die Belebung am Arbeitsmarkt.

Getragen wurde die Konjunktur im Frühjahr einmal mehr von der Außenwirtschaft: Während mehr exportiert wurde, gingen die Importe im Vergleich zum ersten Quartal zurück. Dementsprechend trug der Außenbeitrag 0,8 Punkte zum saisonbereinigten BIP-Anstieg bei. Neben dem privaten Konsum kamen von den Ausrüstungsinvestitionen weitere Wachstumsimpulse aus dem Inland.

Trotz der Wachstumsverlangsamung lässt sich an den Detailergebnissen der Statistiker laut Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) „eine robuste wirtschaftliche Grunddynamik im zweiten Quartal“, ablesen. Wichtig sei jetzt, dass die Auswirkungen der Turbulenzen im Finanzsektor unter Kontrolle blieben und die Märkte wieder Vertrauen fassten.

Mit Blick auf so genannte harte Daten äußerten sich Bankvolkswirte diesbezüglich zuversichtlich. Die Zahlen deuten etwa laut UniCredit-Volkswirt Koch „weiter auf einen soliden Aufschwung in den kommenden Quartalen hin“. Die Auftragsbücher der Unternehmen seien voll und signalisierten anhaltenden Investitions- und Einstellungsbedarf.

Zahlreiche Prognosen deuten auf eine deutliche Wachstumsbelebung im laufenden Quartal hin. So sagt der Handelsblatt-Barclays-Indikator, der das Wachstum für das zweite Quartal mit 0,3 Prozent genau geschätzt hatte, einen BIP-Zuwachs von 0,7 Prozent vorher.

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