Produktion
In der Industrie brechen massiv Jobs weg

Aufträge gehen zurück, Produktion und Umsatz brechen ein, das heißt: Stellenabbau. Vor allem für die Industriebeschäftigten spitzt sich die Lage zu. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag rechnet für 2009 mit einem Verlust von 200 000 Industriejobs. Und auch andere Prognosen sprechen eine deutliche Sprache.

HB BERLIN. Im Februar sank die Mitarbeiterzahl um 13 000 oder 0,3 Prozent auf knapp 5,2 Millionen. „Damit hat die Zahl der Beschäftigten erstmals seit September 2006 im Vorjahresvergleich wieder abgenommen“, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag mit. Im Vergleich mit Vormonat sinkt sie bereits seit Oktober 2008 kontinuierlich. Im Februar gab es hier ein Minus von knapp 10 000.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) erwartet 2009 den Verlust von 200 000 Stellen im Verarbeitenden Gewerbe. „Dank des Kurzarbeitergeldes können derzeit noch viele Entlassungen vermieden werden“, sagte DIHK-Chefvolkswirt Volker Treier. Wegen der schlechten Auftragslage werde es aber zu einem weiterem Stellenabbau kommen. Im Februar zog die Industrie 38,2 Prozent weniger Aufträge an Land als vor Jahresfrist.

Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) erwartet vor dem Hintergrund der globalen Wirtschaftskrise einen starken Produktionseinbruch auf dem deutschen Stahlmarkt. Die Produktion werde 2009 um gut 30 Prozent sinken, heißt es in einer am Donnerstag veröffentlichten Studie. 2008 war die Rohstahlerzeugung bereits um 5,6 Prozent auf 45,8 Millionen Tonnen zurückgegangen. Im kommenden Jahr dürfte die Produktion dann wieder um 4,2 Prozent zunehmen. Die Auslastung der Stahlwerke dürfte mit 60 beziehungsweise 65 Prozent aber äußerst schwach ausfallen. Die Zahl der Beschäftigten in der Eisen- und Stahlindustrie dürfte um 7 000 in diesem und weitere 3 500 im nächsten Jahr sinken.

Die unter der weltweiten Absatzkrise leidende Autoindustrie strich laut Statistischem Bundesamt bis Februar die meisten Stellen. Sie verzeichnete mit 1,4 Prozent den stärksten Beschäftigungsrückgang, gefolgt von der Gummi- und Kunststoffwarenindustrie mit 1,2 Prozent. Der Maschinenbau zählte dagegen 2,2 Prozent mehr Mitarbeiter als im Februar 2008. Zuwächse gab es auch bei den Herstellern von Nahrungs- und Futtermitteln mit einem Plus von 1,4 Prozent, in der Metallindustrie mit plus 0,5 Prozent und bei den Produzenten von elektrischen Ausrüstungen mit plus 0,3 Prozent.

Die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden sank im Februar auf 618 Millionen – das waren 11,1 Prozent weniger als vor Jahresfrist. „Neben Kurzarbeit und Überstundenabbau hat hierzu auch beigetragen, dass es im Berichtsmonat lediglich 20 Arbeitstage gab und somit einen weniger als im Februar 2008“, hieß es. Die Bruttolöhne und -gehälter sanken um 2,6 Prozent auf 16,2 Milliarden Euro.

In der Eurozone hat sich der Einbruch der Industrieproduktion im Februar weiter beschleunigt. Die Produktion sei im Vergleich zum Vorjahrszeitraum um 18,4 Prozent abgesackt, teilte die europäische Statistikbehörde Eurostat am Donnerstag in Luxemburg mit. Der Rückgang war etwas stärker als befürchtet. Ökonomen hatten im Schnitt ein Minus von 17,8 Prozent erwartet. Im Januar war die Produktion bereits um revidiert 16,0 Prozent, zuvor 17,3 Prozent, gefallen.

Im Monatsvergleich ging die Produktion im Februar um 2,3 Prozent zurück. Experten hatten das Minus auf 2,5 Prozent veranschlagt. Im Vergleich zum Februar 2008 gab es mit 18,4 Prozent sogar den größten Rückgang seit Beginn der Statistik 1990.

Einigen Experten zufolge dürfte das Konjunkturtief aber zur Jahresmitte erreicht sein. Die Industrieaufträge könnten bald anziehen und die Firmen deshalb ihre Produktion wieder hochfahren, sagte Jörg Angele von der Bayerischen Landesbank. Auch Thilo Heidrich von der Postbank sieht Hoffnung auf ein Ende der Talfahrt.

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