Prognose 2010
Arbeitsmarkt zwischen Wunder und Nagelprobe

Experten sind sich nicht unbedingt einig, was das kommende Jahr für den Arbeitsmarkt bringen wird. Während DGB-Chef Michael Sommer von starken Belastungen, auch für den Sozialstaat an sich, ausgeht, erklärt Ifo-Chef Hans-Werner Sinn die aktuellen Arbeitslosenzahlen zum „kleinen Wunder“. Allerdings sei der Erfolg kein Selbstläufer, sondern teuer erkauft.
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HB BERLIN/MÜNCHEN. Der Chef des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, rechnet nicht mit einem drastischen Anstieg der Arbeitslosigkeit im kommenden Jahr. „Auf dem deutschen Arbeitsmarkt passiert ein kleines Wunder. Während in den meisten anderen Ländern Katastrophenstimmung herrscht, trotzt unser Arbeitsmarkt der Krise“, sagte Sinn der „Bild“-Zeitung (Donnerstag). Statt der 4,5 bis fünf Mio. Arbeitslosen, die vielfach noch im Frühjahr für 2010 erwartet wurden, prognostiziert der Ökonom nun noch 3,6 Mio. Menschen ohne Job.

„Damit hätten wir in der seit dem Krieg bei weitem schlimmsten Krise der Weltwirtschaft 1,3 Mio. Arbeitslose weniger als noch 2005, dem Höhepunkt der letzten Flaute“, sagte Sinn der Zeitung. Das „Wunder“ am deutschen Arbeitsmarkt werde vom Staat mit massiven Lohnzuschüssen erkauft. Das Hartz-IV-System gewähre weit über eine Million Lohnzuschüsse, und das Kurzarbeiter-Geld sei ebenfalls ein Lohnzuschuss.

Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), Michael Sommer, sieht angesichts der kritischen Lage auf dem Arbeitsmarkt das Jahr 2010 als Bewährungsprobe für den Sozialstaat. 2010 werde „die Nagelprobe, ob dieser Sozialstaat trägt“, sagte Sommer der „Mittelbayerischen Zeitung“ (Weihnachtsausgabe). Der DGB-Chef lobte ausdrücklich die Leistungen der Politik im Krisenjahr 2009. „Die Politik hat vernünftig reagiert. Sie hat erkannt, dass wir eine sozial kontrollierte und regulierte Marktwirtschaft brauchen.“

Der DGB-Vorsitzende forderte von der Politik aber zusätzliche Anstrengungen, weil seiner Meinung nach die Krise 2010 auf den Arbeitsmarkt durchschlagen werde. „Wir müssen Brücken über einen Krisenstrom bauen, dessen Breite wir nicht kennen.“ Er halte es daher für dringend erforderlich, nach den Konjunkturprogrammen weitere Zukunftsinvestitionen anzuschieben.

Sommer kritisierte scharf, dass die Banken bei der Kreditvergabe knausern würden und dass die Finanzmärkte bisher zu wenig reguliert worden seien. „Die Banken haben das Rettungspaket bis heute nicht mit einer verbesserten Kreditvergabe beantwortet. Stattdessen machen sie Geschäfte mit den staatlichen Geldern und die Politik honoriert ihr Verhalten, indem sie sich immer noch scheut, die Finanzmärkte nachhaltig zu regulieren“, bemängelte der DGB-Chef.

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  • ich möchte darauf hinweisen,dass die behauptung von Hans-Werner Sinn mit der Arbeitslosenzahl nicht stimmt:Die aktuelle Arbeitslosenzahl steht auf 3,3 Mio,daher kann es nicht sein, dass sie auf 3,6 sinken würde.Die Angabe,dass wir anscheinend 4,5-5 Mio.Arbeitlosen hätten ist auch nicht richtig,dieser Stand würde 2006 entsprechen!
    Klar,einfach mal hier falsche informationen verbreiten..und das soll der Chef des Müchner ifo-instituts sein?

  • ich möchte darauf hinweisen, dass die aktuelle Arbeitslosenzahl auf ca.3,3 Millionen steht,die behauptung,dass sie auf anscheinend 3,6 sinken würde ist komplett falsch.Was fällt Hans-Werner Sinn eigentlich ein,als ifo-Chef,falsche infos zu verbreiten?
    Und auf den "kleinen Wunder",können wir noch lange warten!!Die Wirschaftslage wird sich erst ab 2011 verbessern..

  • Natürlich ist es erfreulich das wir noch nicht so viele Arbeitslose haben. Die Nagelprobe kommt aber 2011-2013. im Jahr 2010 allerdings in der Automobilbranche. Wie man diese überstehen will, ist mir allerdings unklar. Ein Rabatt im Hotelzimmer hilft da sicher nicht.

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