Prognose der Wirtschaftforschungsinstitute
Deutsche Wirtschaft vor ausgeprägter Rezession

Die deutsche Wirtschaft könnte 2009 in eine ausgeprägte Rezession geraten, wie sie beispielsweise nach den Ölpreisschocks in den siebziger Jahren und zu Beginn der achtziger Jahre zu beobachten war. Das schreiben die führenden deutschen Wirtschaftforschungsinstitute in ihrem Herbstgutachten, das dem Handelsblatt bereits in Auszügen vorliegt.

BERLIN. Ein solches Szenario halten die Autoren „zwar nach wie vor für weniger wahrscheinlich“ als ihre Basisprognose. „Das Risiko, dass die geschilderte ungünstigere Entwicklung eintritt, hat sich in den vergangenen Wochen aber vergrößert“, schreiben sie.

Das Bruttoinlandsprodukt würde um 0,8 Prozent im Jahresdurchschnitt zurückgehen. Besonders stark würden die Ausrüstungsinvestitionen sinken. Trotz der schwächeren Weltkonjunktur wäre aber ein nur leicht negativer Wachstumsbeitrag der Außenwirtschaft zu erwarten, da aufgrund der um 0,6 Prozent schrumpfenden Inlandsnachfrage die Einfuhren ebenfalls rückläufig wären, heißt es in dem Gutachten. Zudem würde sich die Lage am Arbeitsmarkt deutlich verschlechtern. "Die Arbeitslosenquote dürfte im Jahr 2009 auf 8,3 Prozent steigen, und es gingen fast 400 000 Arbeitsplätze verloren."

Bei diesem Risikoszenario unterstellen die Wissenschaftler, dass die Weltwirtschaft in eine Rezession rutscht, dass sich die Finanzierungsbedingungen für Unternehmen sowie für private Haushalte deutlich verschlechtern und dass die Sparquote um einen halben Prozentpunkt steigt.

In ihrem Basisszenario gehen die Gutachter allerdings davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland im kommenden Jahr um 0,2 Prozent leicht steigen wird. Die Arbeitslosenquote dürfte dann, wie auch für 2008 vorhergesagt, bei 7,5 Prozent liegen.

Obwohl sie Deutschland „am Rande einer Rezession“ sehen, lehnen die Forschungsinstitute ein Konjunkturprogramm aber nach wie vor ab. Ein Konjunkturprogramm halten sie "auch aus praktischen Gründen nicht für erfolgversprechend", heißt es in ihrem Gutachten. Sie schlagen stattdessen vor, Steuer- und Abgabensenkungen rasch umzusetzen und so die Konjunktur anzukurbeln. Zudem könne erwogen werden, "ohnehin geplante wachstumsfördernde Investitionen in Bildung, Forschung und Infrastruktur zeitlich vorzuziehen". So könnte beispielsweise die Infrastruktur zur Ganztagsbetreuung von Kindern rascher als geplant ausgebaut werden.

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