Prognose
Experten erwarten Arbeitslosenzahl unter drei Millionen

Langer Winter, stotternder Konjunkturmotor: Die Vorzeichen für einen Frühjahrsaufschwung sind schlecht. Im Mai soll sich das ändern. Die psychologisch wichtige Schwelle von drei Millionen könnte unterschritten werden.
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NürnbergDie Zahl der Arbeitslosen ist nach Experten-Einschätzung im Mai erstmals wieder unter die Drei-Millionen-Marke gerutscht. Insgesamt seien im zu Ende gehenden Monat bundesweit 2,91 Millionen und Männer ohne Arbeit gewesen, berichteten Volkswirte deutscher Großbanken in einer dpa-Umfrage unter Berufung auf eigene Berechnungen. Dies wären zwar rund 110 000 Arbeitslose weniger als im April, aber rund 55 000 mehr als vor einem Jahr. Die offizielle Zahl der Arbeitslosen will die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Mittwoch (29. Mai) bekanntgeben.

Zuletzt hatte die Zahl der amtlich registrierten Erwerbslosen im Dezember 2012 unter der psychologisch wichtigen Drei-Millionen Marke gelegen. Wegen des langanhaltenden Winters hatte es nach Experteneinschätzung in diesem Jahr zwei Monate länger gedauert, bis der Frühjahrsaufschwung die Arbeitslosenzahl wieder unter die Drei-Millionen Schwelle drückte. Von einer Unterschreitung der Schwelle im Mai war zuletzt auch BA-Chef Frank-Jürgen Weise ausgegangen.

Etwas optimistischer als die meisten seiner Kollegen beurteilt Allianz-Volkswirt Rolf Schneider die Arbeitsmarktentwicklung. „Nach Ostern haben viele Unternehmen neue Arbeitskräfte eingestellt. Vor allem auf dem Bau hat es wegen der dort guten Auftragslage einen Nachholeffekt gegeben“, urteilt er. Ohne diesen Sondereffekte hätte es allerdings im Mai eher einen Stillstand auf dem Arbeitsmarkt gegeben. Konjunkturell sei die Lage für den Arbeitsmarkt noch immer ungünstig.

Ähnlich sieht das auch Commerzbank-Volkswirt Eckart Tuchtfeld: „Man muss einfach zur Kenntnis nehmen, dass bei vielen Unternehmen die Begeisterung für Investitionen nicht da ist“, betont der Arbeitsmarktexperte. In vielen Chefetagen sei noch immer die Verunsicherung über die Staatsschuldenkrise groß. Zudem dämpften volkswirtschaftliche Frühindikatoren wie das Ifo-Geschäftsklima die Stimmung. „Auch ist bei vielen Firmen die Auftragslage gedämpft.“

Wie die meisten seiner Kollege rechnet er daher auch für den Rest des Jahres mit einer Stagnation auf dem deutschen Arbeitsmarkt. „Im Juni wird die Zahl saisonbereinigt noch mal steigen, danach werden wir uns bis zum Jahresende an einer Null-Linie entlang bewegen“, prognostiziert er. Etwas zuversichtlicher schätzt Allianz-Volkswirt die weitere Entwicklung ein. Er hält es für wahrscheinlich, dass mit dem Anziehen der Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte auch wieder neue Arbeitsplätze entstehen. Dadurch könnte die Zahl der Erwerbslosen im Jahresverlauf bis auf 2,77 Millionen sinken.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Na, vielleicht erklären die "Experten" dem dummen Volk auch mal, was die eigentlichen Gründe der Arbeitslosigkeit sind - nicht zufällig Investitionsstaus trotz jahrelanger Lohnzurückhaltung und Nachfragelücken wegen eben dieser jahrelangen Lohnzurückhaltung und der Einführung eines staatlich subventionierten Niedriglohnsektors? Nicht zu vergessen die Rentner, die dank Nachhaltigkeitsfaktor und diverser Sozialabgabenerhöhungen ebenfalls seit Jahren real verloren haben.

  • Wie passen da eigentlich die 1 Millionen Zuwanderer letzes Jahr ins Bild ?

    Haben die sich alle in Luft aufgelöst? oder wurden soviele Neue Stellen geschaffen ? trotz der schwachen Welt Konjunktur? fragen über fragen.....

    BTW die Grundlagen zur Ermittlung der AL zahlen wurden über 83 mal geändert die letzen 15 jahre...

    ach soviel Baustellen unsere Presse Könnten ein Faß nach dem anderen aufmachen in der Bimbes Republik...und sämtliche Parteien wegfegen.... nur leider fehlt der Mut und die weitsicht... und so finden wir uns bald alles wieder im Post demokratischem EU Völkergefängnis... beten wir nur das es nicht wieder 40 jahre dauert bis die "Mauer" fällt..

    nachtrag...
    folgende Menschen (!) gelten nicht als "arbeitslos" im Sinne von SGB IV u werden daher nicht in der Statistik als solche erfasst:

    -wer über 50 ist (BA intern "Alteisen" "BA Grufti")
    -wer Altersteilzeit, Vorruhestand, hat, BfA Grundsicherung, Zwangsverentet etc

    -wer sich in einer Quali oder ABM befindet
    -sehr z.Zt krank ist
    -wer sich in einer "Massnahme" befindet
    -wem die Leistungen ganz / teilweise gestrichen wurden, wer Sanktionen hat
    -wer Reha, Kur macht, schwanger ist, Kind bis 4 J hat
    -wer einen Termin beim Fallmanager hat
    -wer sich Bewerbungsprozess befindet
    -wer als "integrationsfern" bei H4 bzw als "nicht vermittlungsfähig" klassifizert wurde
    -wer z Zt keinen festen Wohnsitz hat, vorrübergehend bei Freunden, Eltern, WG wohnt
    -wer gerade aus dem Ausland zurück kehrt ("Goodbye germany")
    -wem Job-Vermittlungsangebote zugeschickt wurden

    alle diese stehen dem Arbeits"Markt" nicht zu verfügung in der Logik der arge, Jobcenter - und zählen daher nicht (....) zur Arb,losen Statistik

    merke
    man kann Arbeitslosengeld bekommen - und dennoch nicht als arbeitslos gezählt werden

    quelle: SGB 1-6, homepage Jobcenter, Erläuterungen zum Gesetz über moderne Massnahmen am Arbeitsmarkt

  • http://www.handelsblatt.com/politik/international/studie-arbeitslosigkeit-in-eurozone-steigt-2013-weiter/7583052.html

    Januar: Hier lese ich eine Prognose, die sagt 'Steigt auf 2,46 Millionen' (erstmals seit 2009)

    http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/quote-unveraendert-arbeitslosenzahl-steigt-leicht-an/7853830.html

    Februar: Hier steht die Arbeitslosenzahl bei 2,917m

    http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/nachrichten/prognose-forscher-erwarten-in-deutschland-weniger-arbeitslose/7965726.html

    März: Arbeitslosenzahlen sollten doch bitte im Laufe des Jahres um 40 000 auf 2,86m sinken.

    http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/nachrichten/fruehjahrsprognose-zahl-der-arbeitslosen-geht-weiter-zurueck/8113248.html

    April: Hier liegt die Arbeitslosenquote in Jahresdurchschnitt bei 2,9m und steigt laut Prognose um mindestens 200 000

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    Allen gemein? Positive Aussichten ab dem Zeitpunkt. Was dann geschah, kann man ja nun ebenfalls leicht nachvollziehen.

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