Prognose für 2008
Ökonomen sehen Wachstum über zwei Prozent

Führende Ökonomen gehen davon aus, dass der Zuwachs des Bruttoinlandsproduktes in diesem Jahr über zwei Prozent liegen wird. Es gibt allerdings einige Belastungen für die deutsche Wirtschaft. Die Regierung reagiert indes zurückhaltend.

DÜSSELDORF. „Die Wahrscheinlichkeit, dass das Jahresergebnis über zwei Prozent liegt, ist sehr, sehr hoch, wenngleich sich die Wirtschaft im Jahresverlauf abschwächen wird“, sagte der Vorsitzende des Sachverständigenrates Bert Rürup dem Handelsblatt.

Ausschlaggebend für das erwartete hohe Wirtschaftswachstum sei der statistische Überhang aus 2007 und die hohe Wachstumsrate des ersten Quartals 2008. „Die deutsche Wirtschaft ist nach wie vor in guter Verfassung, allerdings lässt die Dynamik nach“, sagte der Wirtschaftsweise. Belastend wirken laut Rürup die schwache US-Wirtschaft, der hohe Euro und das sich abschwächende weltwirtschaftliche Umfeld.

Auch der Konjunkturchef des Münchener Ifo-Institutes Kai Carstensen sagte gegenüber dem Handelsblatt: „Ich gehe nach den überraschend guten Zahlen für das erste Quartal fest davon aus, dass die deutsche Wirtschaft im Gesamtjahr 2008 um mehr als zwei Prozent zulegen wird.“

Das könne nur noch dadurch verhindert werden, dass die Wirtschaft in den kommenden Quartalen in eine Rezession rutsche, was keineswegs zu erwarten sei. „Allerdings werden wir das hohe Wachstumsniveau nicht halten können“, sagte der Ifo-Volkswirt. Denn neben den globalen Risiken lasteten nun auch die steigende Lohnentwicklung auf den Unternehmen.

Auch zahlreiche Banken wie die Commerzbank, die Allianz/Dresdner Bank und die Deka-Bank hatten am Vormittag ihre Wachstumsprognosen auf teilweise deutlich über zwei Prozent erhöht.

Zuvor hatte das Statistische Bundesamt Zahlen bekannt gegeben, nach denen das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal überraschend kräftig um 1,5 Prozent gestiegen ist. Damit ist die deutsche Wirtschaft zum Jahresbeginn so kräftig gewachsen wie seit zwölf Jahren nicht mehr.

Eine ähnlich gute Entwicklung gab es zuletzt im zweiten Quartal 1996, als die Wirtschaftsleistung um 1,6 Prozent zulegte. Der Aufschwung des vergangenen Jahres setzt sich damit laut Statistikamt unvermindert fort.

Im Vergleich zum ersten Quartal des Vorjahres betrug der Anstieg 1,8 Prozent. Rechnet man zwei fehlende Arbeitstage in den ersten drei Monaten 2008 mit ein, ergibt sich sogar ein Wachstum von 2,6 Prozent.

Die Bundesregierung hält nach den Worten von Wirtschaftsminister Michael Glos trotz des überraschend starken Wachstumsschubes zum Jahresbeginn an ihrer Wachstumsprognose fest.

„Wir liegen mit unserer Prognose von 1,7 Prozent für dieses Jahr richtig und wir glauben auch, dass wir für das nächste Jahr richtig liegen“, sagte Glos am Donnerstag in Berlin.

Für 2009 rechnet die Regierung mit 1,2 Prozent Zuwachs. Derzeit sei noch nicht der Zeitpunkt, über eine Revision nachzudenken, sagte der CSU-Politiker und verwies dabei auf eine schwächere Entwicklung bei den Auftragseingängen.

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