Prognose
Trichet: Hohe Inflation für den Rest des Jahres

Der Chef der europäischen Zentralbank versuchte am Mittwoch, eine Absage an mehr als eine Leitzinserhöhung im Jahr 2008 zu erteilen, ohne dabei wirklich konkret zu werden. Einzig seine Inflationsprognose ließ wenig Interpretationsspielraum.

HB BRÜSSEL. Die hohe Inflation im Euro-Raum wird nach den Worten von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet länger anhalten als bislang erwartet. Erst 2009 dürfte der Preisdruck etwas nachlassen, sagte Trichet am Mittwoch bei einer Anhörung im EU-Parlament in Brüssel. Weil auch die Löhne kräftiger als angenommen zulegen könnten, bestehe die Gefahr einer Lohn-Preis-Spirale. Die EZB befinde sich daher in einem Stadium hoher Wachsamkeit.

Weil die Inflationsrate im Euro-Raum liegt seit Monaten deutlich über dem gewünschten Wert von knapp zwei Prozent liegt und im Mai mit 3,7 Prozent einen Rekord erreichte, hat die Zentralbank für Juli eine Zinserhöhung auf 4,25 Prozent signalisiert. Zuvor hatte sie den Leitzins gut ein Jahr lang stabil bei vier Prozent gehalten.

Beim Thema Leitzinsen versuchte Trichet am Mittwoch noch einmal zu bekräftigen, dass es wahrscheinlich bei einer einzigen Erhöhung um wahrscheinlich 25 Basispunkte im Jahr 2008 bleibt. „Ich habe nie gesagt, dass wir eine Serie von Erhöhungen ins Auge gefasst hätten“, so der EZB-Chef. Marktbeobachter ließen sich durch diese Äußerung jedoch nicht von ihrer Prognose abbringen, dass die Zentralbank in diesem Jahr auch zwei Mal die Zinsen anheben könnte.

Bei ihrem Kampf gegen die Inflation steckt die EZB in einem grundsätzlichen Dilemma: Einerseits kann sie durch steigende Leitzinsen den Preisanstieg wahrscheinlich zumindest begrenzen, andererseits bremsen höhere Zinsen immer auch die Konjunktur. Erst Anfang Juni hatten die EZB-Chefvolkswirte ihre Wachstumsprognose für das Jahr 2009 noch nach unten korrigiert - auf 1,5 Prozent.

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