Prognosebörse
Die Weisheit der Masse

Wirtschaftsforschungsinstitute tun es. Volkswirtschaftliche Abteilungen von Banken tun es. Selbst Wirtschaftsverbände lassen es sich nicht nehmen. Jetzt kann auch jeder interessierte Bürger in der Handelsblatt Prognosebörse die Konjunktur vorhersagen - und sich so mit den Profis messen.
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FRANKFURT. Die Handelsblatt Prognosebörse beruht auf einem soliden wissenschaftlichen Fundament: In Zusammenarbeit mit dem Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) sowie dem Institut für Informationswirtschaft und-management und dem Forschungszentrum Informatik (FZI), die dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) angegliedert sind, wurde ein wirksames Werkzeug entwickelt, um die Konjunkturentwicklung realistisch zu schätzen.

"Solche Prognosemärkte haben eine hohe Treffgenauigkeit - das hat sich zuerst vor allem in den USA bei der Vorhersage von Wahlen oder Sportergebnissen gezeigt", sagt FZI-Direktor und Professor am KIT, Christof Weinhardt, der mit seinem Team bereits viel Erfahrung mit Prognosebörsen hat. Er hatte beispielsweise zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 mit Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung die Prognosebörse Stoccer betrieben.

Längst gründen auch Unternehmen solche Börsen, um das Wissen ihrer Mitarbeiter als Frühindikator zu nutzen. Das Prinzip funktioniert wie auf gewöhnlichen Wertpapierbörsen - mit dem Unterschied, dass auf virtuellen Prognosemarktplätzen keine Unternehmensanteile, sondern Erwartungen gehandelt werden. Wer wird Fußball-Weltmeister? Wie gut wird ein neues Produkt bei den Kunden ankommen?

Im Zentrum der Handelsblatt Prognosebörse steht eine andere Frage: Wie entwickelt sich die Wirtschaft? Sie nutzt das Instrument erstmals in Deutschland systematisch für Konjunkturvorhersagen. Die neue Prognosebörse wagt das Experiment für fünf wichtige Wirtschaftsindikatoren.

Die Idee: Man nutze die Weisheit der Masse. Denn die Masse, das zeigen zahlreiche Studien, ist oft intelligenter als einzelne, viele Schätzungen sind in der Summe oft treffsicherer als Einzelprognosen. "Wir wollen eine neue Informationsquelle anzapfen und damit traditionelle Konjunkturprognosen ergänzen - keinesfalls ersetzen", erklärt Weinhardt.

Bei herkömmlichen Prognosen wird ein Trend aus der Vergangenheit mit Hilfe statistischer Methoden in die Zukunft fortgeschrieben. Doch das erschwere es, Schocks wie die Finanzmarktkrise vorherzusehen, warnt Weinhardt. Und während Umfragen den Kenntnisstand der Befragten zu einem festen Zeitpunkt abfragten, werde auf Prognosebörsen der Informationsstand der Teilnehmer permanent bis kurz vor Bekanntgabe amtlicher Daten eingepreist. "Sobald ein Teilnehmer neue Informationen erhält, die seine Erwartungen bezüglich einer dieser Konjunkturindizes verändern, wird er in der entsprechenden Aktie handeln - kaufen oder verkaufen", erklärt der Fachmann.

Teilnehmer können über zwei Stellgrößen ihre Erwartungen signalisieren: Preis und Menge. In den Preisen der virtuellen Aktien spiegeln sich die Prognosen für die Indikatoren wider. Wer eine Aktie für überbewertet hält, wird sie verkaufen. Wer eine Aktie für unterbewertet hält, wird sie kaufen. So zeigt beispielsweise der Kurs der Arbeitslosenzahl die von allen Teilnehmern erwartete Beschäftigungsentwicklung an. Mit dem Volumen zeigen die Teilnehmer, wie sicher sie sich mit ihrer Prognose sind.

Dass Spekulanten oder schlecht informierte Teilnehmer den Markt nachhaltig stören könnten, glaubt Weinhardt nicht: "Unsere Erfahrungen zeigen, dass die anderen Marktteilnehmer Ausreißer sehr rasch erkennen und durch Käufe oder Verkäufe wieder regulieren."

Kommentare zu " Prognosebörse: Die Weisheit der Masse"

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  • da wäre ich skeptisch.
    lesen sie die schriften von le bon " masse und macht"
    oder die essays von elias canetti zu diesem problem.
    dr.straub

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