Prognosen für Europa angehoben
Institute sehen 2006 lebhafte Baukonjunktur

Für den europäischen Bausektor haben sich die Aussichten auf eine lebhafte Branchenkonjunktur in diesem Jahr erheblich verbessert. Spürbar angehoben wurden vor allem die Prognosen für den Wohnungsbau.

ari DÜSSELDORF. Das geht aus den jüngsten Prognosen des 1975 gegründeten Netzwerks Euroconstruct hervor, an dem Institute aus 19 europäischen Ländern beteiligt sind. Nach den gestern vom Münchener Ifo-Institut veröffentlichten Ergebnissen der Juni-Konferenz von Euroconstruct dürfte sich das Bauvolumen in Europa 2006 um 2,6 Prozent erhöhen. Der Gesamtwert der Bauinvestitionen erreiche damit in diesem Jahr fast 1,3 Billionen Euro. Vor einem halben Jahr hatten die Institute nur ein Plus von 1,5 Prozent erwartet. „Die Stimmung im Bausektor hat sich deutlich aufgelockert“, kommentierte Ifo-Bauexperte Erich Gluch.

Vor allem für den Wohnungsbau sind die Prognosen deutlich optimistischer. Er wächst den Voraussagen zufolge in diesem Jahr um 2,7 Prozent statt nur um 0,8 Prozent. 2007 und 2008 rechnen die Institute hier allerdings wieder mit einem spürbaren Dämpfer – nur noch jeweils mit rund einem Prozent Plus im Wohnungsbau. Dies bremse auch den Anstieg des gesamten Bauvolumens auf knapp zwei Prozent. Hauptgrund: Angesichts der hohen Immobilienpreise in Italien, Spanien und Frankreich schwinde die Investitionsbereitschaft im Wohnungsneubau vor allem in diesen Ländern. Bremsend könnten auch die steigenden Zinsen wirken. Impulse im Wohnungsbau erwarten die Institute dann vorrangig von Modernisierungs- und Renovierungsinvestitionen im Bestand.

Für das laufende Jahr wurde laut Ifo vor allem die Entwicklung im deutschen und französischen Wohnungsneubau wesentlich positiver beurteilt als noch Ende vergangenen Jahres. Als Gründe werden unter anderem der Wegfall der Eigenheimzulage in Deutschland und Hypotheken-Laufzeiten von nun bis zu 50 Jahren in Frankreich genannt. Für Deutschland liegt der prognostizierte Anstieg im Wohnungsbau aktuell allerdings nur bei 1,2 Prozent – ein Wert, der – abgesehen von Italien, Portugal und der Schweiz – deutlich hinter dem Zuwachs in den anderen Ländern zurückbleibt. Zu berücksichtigen ist dabei aber, dass vor Abschaffung der Eigenheimzulage noch ein Minus von 2,1 Prozent beim deutschen Wohnungsbau in diesem Jahr befürchtet worden war.

Die jetzt deutlich besseren Aussichten im Wohnungsbau schlagen sich auch in einer aktuellen Ifo-Umfrage im Auftrag des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie nieder. Danach erwarten 28 Prozent der befragten westdeutschen Baufirmen, dass ihre Leistung im Wohnungsbau in diesem Jahr zunimmt. Im Straßenbau und sonstigen Tiefbau rechnen nach den Verbandsangaben dagegen nur 20 Prozent mit besseren Geschäften. Am besten schneidet der Wirtschaftsbau ab: Hier erwarten 37 Prozent der befragten Unternehmen 2006 steigende Bauleistungen.

Insgesamt sehen 27 Prozent der Firmen Zuwächse und nur 14 Prozent ein Minus in ihrer Bauproduktion. „Damit sind die westdeutschen Bauunternehmen so optimistisch wie zuletzt zu Beginn der 90er-Jahre“, erklärte der Bauindustrie-Verband. 1992 hatten 28 Prozent der westdeutschen Bauunternehmen mit einem Anstieg ihrer Bauleistung gerechnet. Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie sieht sich durch die Umfrage in seiner Jahresprognose bestätigt.

In Westdeutschland erwartet er ein Umsatzplus von zwei Prozent. Die Vorhersage entspreche nicht nur der Datenlage, sondern auch der Stimmung am Markt, hieß es nun. Für das Bauhauptgewerbe in ganz Deutschland rechnet der Hauptverband vorerst aber nur mit einem Umsatzplus von etwa einem Prozent, da die ostdeutsche Bauwirtschaft noch nicht den Anschluss an den konjunkturellen Erholungsprozess gefunden habe. Hier erwartet der Verband ein Minus von drei Prozent.

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