Prognosen
RWI erwartet historischen Wirtschaftseinbruch

Eine rasche Erholung der Wirtschaft ist nicht in Sicht: Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sieht Deutschland tiefer in den Abschwung rutschen. Die bislang pessimistischste Prognose liefert das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI): Es erwartet für 2009 den stärksten Wirtschaftseinbruch in der Geschichte der Bundesrepublik.

HB BERLIN/ESSEN. Die Berliner Wirtschaftsexperten vom DIW senkten am Mittwoch ihre bisherige Konjunkturprognose für das vierte Quartal. Sie erwarten nun bei der Wirtschaftsleistung ein Minus von 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Für 2008 ergebe sich daraus eine Wachstumsrate von 1,7 Prozent. Berücksichtige man die geringere Zahl an Arbeitstagen im Vorjahr, liege das Wachstum sogar lediglich bei 1,4 Prozent.

Noch Mitte November hatte das DIW für das vierte Quartal ein Plus von 0,2 Prozent erwartet, also ein vorläufiges Ende der seit dem zweiten Quartal sinkenden Wirtschaftsleistung. Seitdem habe sich aber die Industrieproduktion und die Bauwirtschaft deutlich ungünstiger entwickelt. Die deutsche Volkswirtschaft stehe inzwischen „an der Übergangsschwelle von einer Über- zur Unterauslastung der gesamtwirtschaftlichen Kapazitäten“, sagte DIW-Konjunkturexperte Stefan Kooths. Deshalb könne „nunmehr auch im eigentlichen Sinne von einer Rezession gesprochen werden“. Stabil entwickelten sich dagegen die Dienstleister, für die das DIW sogar ein Plus vorhersagt.

Institute und Experten erwarten weithin ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung im Herbstquartal. Einige Bankenanalysten befürchten sogar, dass das Bruttoinlandsprodukt um mehr als 1,2 Prozent und damit so stark wie noch nie seit der Wiedervereinigung einbrechen könnte. Bereits im Frühjahr und im Sommer war die Wirtschaft um 0,4 beziehungsweise 0,5 Prozent geschrumpft.

Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) erwartet für 2009 den stärksten Wirtschaftseinbruch in der Geschichte der Bundesrepublik. Für kommendes Jahr werde nun mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um zwei Prozent gerechnet, sagte RWI-Konjunkturexperte Roland Döhrn am Mittwoch in Essen. Noch im September hatte das Institut für 2009 eine Wirtschaftswachstum von 0,7 Prozent vorhergesagt. „Derzeit deutet nichts auf eine rasche Erholung hin“, sagte Döhrn.

Den bislang stärksten Einbruch der gesamtwirtschaftlichen Leistung gab es als Folge der Ölkrise 1975 mit minus 0,9 Prozent. 1993, nach dem Ende des Einheitsbooms, betrug das BIP minus 0,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Das Essener Institut ist damit wesentlich pessimistischer als viele andere Forscher, die von einem Minus von rund einem Prozent ausgehen. Die Bundesbank erwartet einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,8 Prozent. Dies wäre das schlechteste Ergebnis seit 15 Jahren.

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