Prognosen von Ifo und Banken
Weniger als 4 Millionen Arbeitslose erwartet

In diesem Jahr dürfte die Arbeitslosenzahl nach Einschätzung des Ifo-Instituts und einiger Privatbanken erstmals seit 2001 wieder unter vier Millionen sinken. Wegen der guten Lage am Arbeitsmarkt will das Münchner Ifo-Institut zudem seine Prognose für das Wirtschaftswachstum anheben.

HB BERLIN. „Die Entwicklung am Arbeitsmarkt ist besser als angenommen“, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn am Donnerstag in Frankfurt. Im Jahresdurchschnitt könnte die Zahl der Erwerbslosen auf 3,9 Mill. sinken. Das wären rund 600 000 weniger als 2006. Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) hält einen noch stärkeren Rückgang für möglich. Voraussetzung dafür sei, dass die moderate und beschäftigungsfreundliche Lohnpolitik fortgesetzt werde.

Die Wirtschaft entwickelt sich nach den Worten Sinns „überraschend gut“. Er halte 2007 ein Wachstum von mehr als zwei Prozent für möglich, sagte der Chef des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo). Im Dezember ging das Institut noch von 1,9 Prozent aus. Der BdB sagt wie bisher ein Plus von rund zwei Prozent voraus. Der Aufschwung sei inzwischen breit angelegt und werde sowohl von den Exporten als auch von der Binnennachfrage getragen.

Auch das Bundesfinanzministerium sieht die Erholung gut abgesichert. „In diesem Jahr dürfte sich die konjunkturelle Aufwärtsentwicklung mit zunehmender Eigendynamik fortsetzen“, hieß es im Monatsbericht. Die von der höheren Mehrwertsteuer ausgehende Konjunkturdelle zu Jahresbeginn dürfte kleiner ausfallen als befürchtet.

„Hinfällig sind die konjunkturdämpfenden Effekte der Steuererhöhung damit aber nicht“, warnte der BdB. In den kommenden Monaten könnten Preiserhöhungen nachgeholt werden. Die Unternehmen dürften etwa zwei Drittel der Mehrbelastung an ihre Kunden weiterreichen und müssten den Rest selbst tragen. Dies dämpfe Gewinne und Investitionen. Risiken für die deutsche Konjunktur sehen Bankenverband und Ministerium in einer starken Abkühlung der US-Wirtschaft und abrupten Wechselkursänderungen. 2006 hatte die Wirtschaft mit 2,7 Prozent das kräftigste Plus seit dem Boomjahr 2000 erzielt.

Vom Aufschwung der Weltwirtschaft profitiere Deutschland weitgehend, so das Ifo-Institut. Hingegen hätten Länder wie Frankreich und Italien Wachstumsprobleme. Daher solle die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen nicht weiter anheben. „Deutschland könnte sich eine weitere Zinserhöhung leisten, aber diese zwei Länder nicht“, sagte Sinn. Die EZB hatte den Leitzins Anfang April von 3,5 auf 3,75 Prozent erhöht und betrachtet dieses Niveau weiterhin als moderat. Die Geldpolitik stütze noch die Konjunktur, wiederholte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet am Mittwoch die Einschätzung des EZB-Rates. Die meisten Bankenvolkswirte schlossen daraus, dass die Zentralbank mindestens noch einen Zinsschritt auf vier Prozent plant. Seit Ende 2005 hat die EZB die Zinsen um insgesamt 1,75 Prozent angehoben, um die Inflation während des Aufschwungs zu dämpfen.

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