Prognosen werden beibehalten
Volkswirte machen keine Gefahr für Konjunktur aus

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sieht nach den Worten seines Präsidenten Klaus Zimmermann keinen Grund, wegen der Anschläge in Madrid seine Wachstumsprognose für Deutschland und Europas für das laufende Jahr zu revidieren. Ähnlich beurteilt die US-Bank J.P. Morgan die Situation.

HB BERLIN. „Ich sehe erst einmal keinen Anlass, wirtschaftlich von einer nennenswerten Bedrohung auszugehen“, sagte Zimmermann am Montag in Berlin. „Wir bleiben bei unserer Prognose für dieses Jahr von 1,.4 % (für Deutschland). Wir korrigieren auch nicht.“ Auch die jüngste Euro-Entwicklung gebe keinen Anlass für Prognose-Korrekturen. Das DIW sei zuletzt von einem Euro-Durchschnittskurs in diesem Jahr von 1,25 Dollar ausgegangen, und dies habe noch immer Geltung.

Auch nach Einschätzung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) werden die Anschläge von Madrid nicht spürbar auf die Konjunktur in Deutschland durchschlagen, obwohl sich bei der Täterschaft die Hinweise in Richtung El Kaida verdichten. Es gebe keine Anzeichen für "weit reichende Auswirkungen" der Anschläge auf die Konjunktur, erklärte der DIHK-Chefvolkswirt Alex Nitschke am Montag. Zu erwarten sei vorerst nur, dass die Anschläge zu Irritationen und Zweifeln beim Verbraucher, insbesondere bei Reisen und Flugreisen führen. Die Konsumenten würden vermutlich bei Bahn-, Flug- und Fernreisen vorsichtiger werden.

Die ITB werde in dieser Hinsicht ein interessanter Stimmungsindikator sein. "Für die Konjunktur ist entscheidend, ob sich ein solcher Anschlag in den nächsten Monaten irgendwo in Europa wiederholen sollte, denn spätestens dann wird es Auswirkungen auf die Konjunktur haben", erklärte Nitschke. Handle es sich tatsächlich um einen El-Kaida-Anschlag, bekomme das Thema Sicherheit in Europa eine neue Qualität. Die Konsequenzen seien auf europäischer Ebene zu ziehen. Daher sei es richtig, dass Bundesinnenminister Otto Schily eine gemeinsame Sicherheitskonferenz der europäischen Innenminister anrege.

Auch das Ifo-Institut kommt zu einem ähnlichen Urteil. Erst wenn es zu einer Welle von Anschlägen in Europa kommen würde, könnte dies die Stimmung und die Konjunktur deutlich belasten.

„Ich denke, dass so etwas kurzfristig gewisse negative Effekte haben könnte. Ich glaube aber nicht, dass die Auswirkungen dramatisch sind“, sagte Ifo-Konjunkturchef Gebhard Flaig am Montag mit Blick auf die Anschläge von Madrid und die zunehmenden Hinweise auf eine Täterschaft der moslemischen Extremisten-Organisation El Kaida. Anschläge schürten natürlich die Unsicherheit in der Bevölkerung, eine gewisse abwartende Haltung bei größeren Anschaffungen könne die Folge sein. „Aber ich glaube nicht, dass Investitionen nicht getätigt werden, weil es einen Anschlag gegeben hat“, sagte Flaig.

Der negative psychologische Effekt wäre stärker, wenn die Attentate von Madrid erst der Auftakt einer Reihe von Anschlägen in Europa gewesen wären. „Wenn natürlich jetzt eine richtige Terrorwelle kommt, besteht schon die Gefahr, dass die Stimmung zusammenbricht“, sagte der Konjunkturexperte des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo).

Flaig sagte weiter, insgesamt sei es schwierig, die ökonomischen Folgen von Anschlägen wie denen in Madrid abzuschätzen. „Es entzieht sich dem ökonomischen Kalkül, wie sich die durch Anschläge erzeugte Unsicherheit auswirkt.“ Natürlich gebe es Branchen, die durch die Anschläge belastet würden, etwa die Bereiche Verkehr und Tourismus. Mit Blick auf die Gesamtkonjunktur dürften die Effekte aber nicht groß sein. Auf die Frage, ob durch die Unsicherheit nach den Anschlägen von Madrid der sich abzeichnende allmähliche Wirtschaftsaufschwung in Deutschland wieder gestoppt werden könnte, sagte Flaig: „Im Augenblick besteht keine Gefahr, dass die Konjunkturerholung im Keim erstickt werden könnte.“

Die US-Bank J.P. Morgan hat eine weltweite Konjunkturerholung registriert. Doch durch die die Terroranschläge in Madrid, aber auch die langsame Arbeitsplatzschaffung in den USA und die hohen Ölpreise hätten sich die Abwärtsrisiken erhöht, heißt es in einem Bericht der Großbank. Die zentrale Prognose der Bank über eine breite und starke Expansion in diesem Jahr bleibe unverändert, heißt es.

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