Pulverfass Arabischer Raum
Ökonomen warnen vor US-Intervention in Syrien

Der Westen zweifelt kaum daran, dass das Assad-Regime seine Gegner mit Giftgas bekämpft hat und prüft alle Optionen – auch einen Militärangriff. Ökonomen warnen bereits vor den Folgen für die Weltwirtschaft.
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Berlin/DüsseldorfMit großer Sorge blicken Ökonomen in Deutschland auf die wachsende Gefahr eines militärischen Eingreifens in Syrien. „Eine Militärintervention der USA in Syrien könnte unabsehbare Folgen für die Weltwirtschaft haben. Der Konflikt könnte sich sehr leicht auf den ganzen arabischen Raum ausweiten und die Region in ein Pulverfass verwandeln“, sagte der Forschungsdirektor im Bereich International Economics am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Christian Dreger, Handelsblatt Online.

Bereits jetzt seien Länder wie der Libanon in den syrischen Sog geraten. „Eine erhöhte Terrorgefahr und stark steigende Ölpreise könnten die aufkeimende konjunkturelle Erholung in der Weltwirtschaft schnell wieder zunichtemachen“, warnte Dreger. „Und eine allmähliche Wiederannäherung des Irans an den Westen, die für eine Stabilisierung der Region enorm wichtig ist und nach dem Wechsel der dortigen Regierung durchaus möglich erscheint, käme auf diese Weise bestimmt nicht zustande.“

Der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, geht zwar davon aus, dass sich die USA in Syrien militärisch nicht nennenswert engagieren würden, zumal es aus Sicht der USA dort „keine auch nur halbwegs zuverlässigen Verbündeten“ gebe. „Greifen die USA wider Erwarten doch in großem Stil ein, steigt das Risiko für die gesamte Region, was den Ölpreis sicher nach oben treiben würde“, sagte Krämer Handelsblatt Online. „Für die Weltwirtschaft wäre dies erfahrungsgemäß aber nur dann ein Problem, wenn der Ölpreis über viele Monate hinweg sehr hoch bliebe.“

Russland warnte den Westen vor einem militärischen Vorgehen. Außenminister Lawrow sagte in Moskau, eine Intervention ohne Mandat des Uno-Sicherheitsrates verstoße gegen internationales Recht. US-Verteidigungsminister Hagel betonte, die Regierung in Washington werde sich eng mit der internationalen Gemeinschaft abstimmen. Nach Angaben der französischen Regierung soll in den kommenden Tagen über das Vorgehen entschieden werden.

Die Chemiewaffen-Inspekteure der Vereinten Nationen nahmen nach Agenturberichten in der Nähe der syrischen Hauptstadt Damaskus ihre Arbeit auf. Sie untersuchen den vermuteten Giftgas-Angriff, bei dem vergangene Woche hunderte Menschen getötet wurden. Der Konvoi der Uno-Experten war zuvor unter Beschuss geraten, Verletzte gab es aber nicht. Das syrische Staatsfernsehen machte Rebellen für den Angriff verantwortlich.

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Nervöse Märkte

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Reaktion des Iran nicht kalkulierbar

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  • Es wird Zeit, dass die Amerikaner, gesteuert von der FED, der Wallstreet und diversen "Familien" wie Rothschild,Morgan,Schiff,Rockefeller, Morgentau etc. in die Schranken gewiesen werden. Bei einem Angriff auf Syrien, ist das militärische Eingreifen von Russland, China, Iran und anderen ein absolutes Muß. Die imperialistische Politik, in ihrer ganzen menschenverachtenden Entartung, muss ein Ende haben.

  • Man muss doch nur die letzten Jahre ansehen. Die USA überfallen ein Land nach dem anderen und verleiben es sich in ihren Machtbereich ein. Ein Kriegsgrund finden sie immer.

    Wie DOOF muss man sein, um zu glauben, dass die USA ihre Truppen zum Schutz von Menschenrechten (->Guantanamo) oder Demokratie einsetzen.

    Ich empfehle "Joint Vision 2020" zu lesen oder die Pamphlete der PNAC oder Kissingers Ergüsse.

  • Da ist angeblich Öl im Mittelmeer vor Syrien. Da stören die mit Syrien verbündeten Russen und Perser. Also kommen, wie immer, die Freiheitskämpfer geführt von den Amis und setzen
    die Menschenrechte durch. Danach sind die Perser dran wetten?

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