Quote auf 26-Jahres-Hoch
Krise auf US-Arbeitsmarkt eskaliert

Die US-Arbeitslosenquote ist zum ersten Mal seit 1983 über die Marke von zehn Prozent gestiegen – obwohl die amerikanische Regierung bereits mehrere Billionen Dollar in Konjunkturprogramme gepumpt hat. Nun muss Washington die Hilfen für Arbeitslose ausweiten.
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WASHINGTON. Die US-Arbeitslosenquote stieg überraschend von 9,8 Prozent im Vormonat auf 10,2 Prozent im Oktober. Das teilte das US-Arbeitsministerium am Freitag in Washington mit. Ökonomen hatten mit einer Quote von 9,9 Prozent gerechnet und damit noch kein Überschreiten der Zehn-Prozent-Marke erwartet. Im Oktober gingen 190 000 Jobs verloren, nach 219 000 im September.

Amerikas Konjunkturhimmel mag sich zwar aufhellen, doch auf dem Arbeitsmarkt ist davon nichts zu spüren. Wenige Stunden bevor die neuesten Arbeitslosenzahlen bekanntgegeben wurden, hatte der Kongress in Washington das soziale Netz verstärkt. Einstimmig votierte der Senat dafür, die Arbeitslosenunterstützung auszudehnen. Die Zustimmung des Repräsentantenhauses gilt ebenfalls als sicher. Abhängig vom Bundesstaat, in dem sie wohnen, können Amerikaner ohne Job jetzt bis zu knapp zwei Jahre lang staatliche Hilfen erhalten.

Damit bereiteten sich die USA auf die schlechten Nachrichten vor, die nun mit dem Arbeitsmarktbericht für Oktober gekommen sind. Doch immerhin hat die Zahl der Neuanträge auf Arbeitslosenhilfe nach jüngsten Daten offenbar ihren Höhepunkt überschritten. Das allerdings hilft dem wachsenden Bestand an Arbeitslosen nicht: Experten berechneten, dass rund 600 000 Arbeitslose inzwischen die staatlichen Unterstützungsangebote ausgeschöpft haben. Vor allem für sie ist die Verlängerung der Hilfen gedacht.

Die hartnäckig hohe Arbeitslosigkeit hat den Streit darüber neu entfacht, wie sehr das im Februar verabschiedete knapp 787 Mrd. Dollar schwere Konjunkturprogramm tatsächlich als Jobmaschine wirkt. Die US-Regierung behauptet, die Maßnahmen hätten bereits 640 000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Zudem hätten die staatlichen Programme dafür gesorgt, eine unbekannte Zahl von Jobs zu sichern. Kritiker aus den Reihen der Republikaner bemängeln, dass es im Grunde unmöglich sei, diese Zahlen zu verifizieren. Sie halten die Angaben der Regierung für schöngefärbt.

Die Regierung gesteht ein, dass das Konjunkturprogramm allmählich an Wirkung verliert. Christina Romer, Vorsitzende des Kreises der Wirtschaftsberater von US-Präsident Barack Obama, hat kürzlich eingeräumt, dass das gewaltige Stützungspaket den größten Teil seines Einflusses auf das Wirtschaftswachstum bis zum Ende des Jahres genommen haben wird. „Um neue Jobs zu schaffen, benötigt man zwischen vier und fünf Prozent Wachstum“, sagt sie.

Im dritten Quartal war das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA mit einer Jahresrate von 3,5 Prozent gewachsen. Das sieht zwar auf den ersten Blick prächtig aus, doch es ist letztlich eine Scheinblüte.

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  • Es wird Zeit den Abwärtstrend zu stoppen. Dies geht aber nur wenn wir die Ursache beheben als immer nur die Auswirkungen zu kurieren.

    Daher möchte ich allen ein neues System, das die Ursachen angeht, ans Herz legen.

    Leider haben alle bisher bekannten Systeme / Lösungen den Nachteil nur die Auswirkungen zu kurieren, nicht aber die Ursache zu lösen.

    Kurz aufgelistet ein paar Systeme und deren Probleme
    * So lebt das „bedingungslosen Grundeinkommen“ von hohen Subventionen !
    * bei der sozialistischen Marktwirtschaft müssen die Eigentumsverhältnisse verändert werden!
    * Das Regionalgeld/Schwundgeld löst nicht das Ungleichgewicht zwischen import und Export.

    Die Lösung kann nur sein die Ursache des abzustellen.
    Mehr dazu unter

    http://www.arbeitslosigkeit-besiegen.de

  • Hallo,
    Leider stimmen diese Angaben nur halb. in den USA - gibt es - sechs (6) verschiedene Arbeitslosen Angaben. Unter der Tabelle A-12 - und U-6 des bureau fuer Labor Statistics - siehe link anbei-
    (U-6 = totally unemployed) fuer Oktober = 17.5% nationwide unemployment Rate. basierend der Civilian Labor Force- Census 2004 - sind das mehr als 22.7 Millionen Arbeitslose.
    http://www.bls.gov/news.release/empsit.t12.htm

  • Es ist nicht auszudenken was passiert, wenn sich das prognostizierte Wachstum nicht einstellt.
    Die ungeheure Verschuldung des amerikanischen Staates läßt ja offensichtlich keine Spielräume mehr zu. Das ganze ist doch ein Teufelskreis der wahrscheinlich in einer Hyperinflation endet.

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