Ratssitzung
EZB könnte Leitzins erneut senken

Die Spekulationen an den Finanzmärkten nehmen zu, die Europäische Zentralbank (EZB) könne den Leitzins erneut außerplanmäßig um einen halben Punkt kappen. Nach den Worten des EZB-Direktoriumsmitglieds Jose Manuel Gonzalez-Paramo könne die EZB ihren Leitzins weiter senken, ohne damit die Inflationsgefahren auf mittlere Sicht zu erhöhen.

HB DUBLIN/FRANKFURT. Das Wirtschaftswachstum verlangsame sich weltweit und dämpfe den Preisdruck, sagte Gonzalez-Paramo der Zeitung "Irish Independent". Gleichzeitig würden viele Rohstoffe billiger. Dadurch sei die Europäische Zentralbank in der Lage, den Leitzins weiter zurückzunehmen, "ohne die Inflationsrisiken mittelfristig zu erhöhen".

Die EZB hatte ihren Leitzins angesichts der drohenden Rezession im Euro-Raum am 8. Oktober von 4,25 auf 3,75 Prozent gesenkt. Damit habe sie sich nicht von ihrer Strategie der Inflationsbekämpfung auf mittlere Sicht abgewandt, sagte Gonzalez-Paramo. Die Analysen der EZB hätten ergeben, dass die Aussichten für das Wachstum sich so stark eingetrübt hätten, dass der Inflationsdruck nachlassen werde.

Analysten werteten die Aussagen als konkreten Hinweis auf weitere Zinssenkungen. Es sei allerdings sehr unwahrscheinlich, dass Gonzalez-Paramo bereits für die EZB-Ratssitzung an diesem Donnerstag einen solchen Schritt habe andeuten wollen, sagte Commerzbank-Experte Michael Schubert. Zum einen hätte wohl eher EZB-Chef Jean-Claude Trichet die Märkte auf einen solchen Schritt eingestimmt. Zum anderen habe Gonzalez-Paramo kurz vor Veröffentlichung des Interviews zwei weitere Gelegenheiten für eine Ankündigung ungenutzt verstreichen lassen.

Der EZB-Rat ist am Morgen zur zweiten turnusmäßigen Sitzung in diesem Monat zusammen gekommen. Normalerweise trifft das Gremium bei diesem Termin keine geldpolitischen Entscheidungen. Zuletzt hatten wegen der anhaltenden Finanzkrise und zunehmender Rezessionsängste die Spekulationen an den Finanzmärkten zugenommen, die EZB könne den Leitzins erneut außerplanmäßig um einen halben Punkt kappen. Das nächste Mal will der EZB-Rat offiziell Anfang November über den Leitzins beraten.

Die Bank of England ist laut Notenbankchef Mervyn King bereit, ihren Leitzins zu ändern. Was die Notenbank tun könnte, um die weltweiten Schocks abzumildern, sei die Leitzinsen zu ändern, und man werde es tun, um in eine stabilere Position zu kommen, sagte King am Donnerstag der Zeitung "Yorkshire Post". Die Bank of England hatte bereits am 8. September ihren Leitzins gemeinsam mit anderen Notenbanken um 0,50 Prozentpunkte auf 4,50 Prozent reduziert.

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