Reaktion Auf Tadel von Wiegard und Franz
Heftiger Streit im Sachverständigenrat

Im Sachverständigenrat der fünf Weisen ist ein offener Streit ausgebrochen. Der Währungsexperte Peter Bofinger wies in der „Berliner Zeitung“ vom Montag Kritik seines Kollegen Wolfgang Wiegard zurück: „Herr Wiegard wird erkennen müssen, dass der Sachverständigenrat nicht sein Oberseminar ist, sondern ein Gremium von Menschen, die kompetent und natürlich mit verschiedenen Auffassungen die Dinge diskutieren."

HB BERLIN. Wiegard hätte die Weihnachtsferien besser zur Erholung nutzen sollen als öffentlich solche Vorwürfe zu erheben. Zuvor hatten der Vorsitzende Wiegard und der Wirtschaftsweise Wolfgang Franz Bofinger getadelt. Wiegard hatte Bofinger vorgeworfen, sich zu Themen zu äußern, von denen er nichts verstehe. Wiegard will auch wegen dieser Spannungen in diesem Jahr nicht wieder für den Vorsitz kandidieren. Franz sagte der „Welt am Sonntag“: „Bofinger ist nicht teamfähig.“

Bofinger habe mit seinem Verhalten die Institution des Rates beschädigt. Schon vor der Erarbeitung des Jahresgutachtens im Herbst habe sich Bofinger in vielen Interviews auf eine Meinung festgelegt, so dass er in der Sitzung des Gremiums nicht mehr kompromissfähig gewesen sei. Kurz nach Veröffentlichung des Gutachtens habe er zudem sein Buch mit abweichenden Thesen veröffentlich: „Das war quasi eine Anti-Sachverständigenrats-Publikation“, sagte Franz.

Bofinger vertritt grundsätzlich eine nachfrageorientierte Position, während Wiegard wie die anderen drei Sachverständigen eher einen strikten Sparkurs der Finanzpolitik und angebotsorientierte Reformen befürwortet. Bofinger nimmt auch in weiteren Bereichen - wie bei der Geld- oder Lohnpolitik - andere Positionen als die übrigen Ratsmitglieder ein. Auch im jüngsten Jahresgutachten, das der Bundesregierung zur Einschätzung des erwarteten Wirtschaftswachstums dient, hatte sich Bofinger entgegen der Mehrheitsmeinung gegen weitere Einsparungen und für stärkere Lohnsteigerungen ausgesprochen. Zum Rat gehören der Arbeitsmarktexperte Wolfgang Franz, der Finanzwissenschaftler Bert Rürup und Beatrice Weder di Mauro.

Der Geld- und Währungsexperte Bofinger gehört dem Rat seit März 2004 an. Wiegard ist seit 2001 Mitglied und seit April 2002 Vorsitzender. Sein Vorsitz endet regulär 2005. Die Ratsmitglieder werden vom Bundespräsidenten auf Vorschlag der Bundesregierung jeweils für fünf Jahre berufen. Eine Wiederberufung ist aber möglich. Jedes Jahr scheidet ein Mitglied aus.

Der Ratsvorsitzende Wiegard hatte bereits angekündigt, er werde nicht mehr für den Vorsitz kandidieren und 2006 dann voraussichtlich aus dem Sachverständigenrat ausscheiden. Als Begründung führte Wiegard die enorme zeitliche Belastung an, aber auch das zuletzt schlechte Diskussionsklima unter den fünf Weisen.

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