Reaktionen auf deutsches BIP
„Der Aufschwung ist vorbei“

Mit den BIP-Zahlen für das zweite Quartal ist das Ende des Aufschwungs in Deutschland nun offiziell. Ein Minus von 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorquartal – das ist ein deutlicher Dämpfer. Trotzdem sind die Reaktionen durchaus unterschiedlich. Während die Wirtschaft von einem „Alarmsignal“ spricht und die Politik zum Handeln auffordert, zeigt man sich im zuständigen Ministerium gelassen.

HB/doh BERLIN. Das Fazit von Wirtschaftsweise Beatrice Weder di Mauro ist eindeutig: „Der Aufschwung ist vorbei. Die extrem starke Konjunktur der letzten Jahre ist Vergangenheit.“ Nach dem Rückgang der Wirtschaftsleistung im Frühjahr schließt Weder di Mauro für das Sommerquartal ein erneutes Minus nicht aus. Auch die Wirtschaft spricht von einem deutlichen „Alarmsignal“.

Das Statistische Bundesamt hatte für das zweite Quartal eine Schrumpfung des Bruttoinlandsprodukts um 0,5 Prozent genannt und die Wachstumszahl für das erste Quartal leicht auf 1,3 Prozent von 1,5 Prozent nach unten revidiert.

Doch die Bundesregierung hält an ihrer Wachstumsprognose von 1,7 Prozent für 2008 fest. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos erklärte: „Die Wachstumsabschwächung hatten wir erwartet.“ Im Halbjahresrückblick habe die deutsche Wirtschaft aber „noch recht ordentlich abgeschlossen“.

Die Finanzmarktturbulenzen, der Ölpreisanstieg und die Abwertung des Dollars zeigten zwar mittlerweile auch Auswirkungen auf Deutschland, erklärte der CSU-Politiker. Aber die Widerstandskraft der deutschen Wirtschaft gegenüber weltwirtschaftlichen Risiken sei durch die Anpassungsleistung der Betriebe und die politischen Reformen gestärkt worden.

Glos wies darauf hin, dass die Wirtschaft von April bis Juni nur im Vergleich zum ersten Quartal geschrumpft sei. Im Vorjahresvergleich hingegen sei das BIP um real 3,1 Prozent gestiegen, kalenderbereinigt um 1,7 Prozent. „Eine technische Gegenreaktion zum - auch witterungsbedingt - überzeichneten guten ersten Quartal war allgemein erwartet worden und lag auch der Frühjahrsprojektion der Bundesregierung von April zugrunde“, sagte er.

„Beide im Paket betrachten“

Auch der DIHK sieht trotz der geschrumpften Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal keinen Grund, von seiner Wachstumsprognose von 2,3 Prozent für dieses Jahr abzurücken. Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben, sagte: „Die ersten beiden Quartale sind im Paket zu betrachten. Das erste Halbjahr ist insgesamt solide verlaufen trotz des leichten Rückgangs im zweiten Quartal.“ Immerhin ergebe sich für die ersten sechs Monate ein Zuwachs von 1,2 Prozent gegenüber dem Vorhalbjahr. „Damit sind die von uns vorhergesagten 2,3 Prozent für das Gesamtjahr 2008 immer noch möglich“, sagte Wansleben.

Die Stimmung kühle sich zwar ab, aber von einer Rezession zu reden sei völlig fehl am Platze. Statistische Effekte hätten das erste Quartal über die Maßen positiv aussehen lassen. „Sie sollten uns nun nicht umgekehrt schwarz vor Augen werden lassen“, warnte Wansleben. Im zweiten Quartal seien zudem 566 000 Personen mehr erwerbstätig gewesen als im Vorjahr.“

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