Reallöhne: Arbeitnehmer müssen noch mehr sparen

Reallöhne
Arbeitnehmer müssen noch mehr sparen

Der Aufschwung ist bislang nicht in den Geldbeuteln der Arbeitnehmer angekommen. Sie mussten 2007 das vierte Jahr in Folge reale Lohneinbußen hinnehmen, wie das Tarifarchiv des gewerkschaftsnahen WSI-Instituts am Montag mitteilte.

HB BERLIN. Zwar legten die Bruttoeinkommen im Schnitt um 1,3 Prozent zu. Die Kosten für die Lebenshaltung stiegen aber mit 2,2 Prozent deutlich schneller. „Real sind die Einkommen also um fast ein Prozent gesunken“, sagte der Leiter des Tarifarchivs, Reinhard Bispinck.

In diesem Jahr dürfen die Beschäftigten aber wieder auf ein reales Lohnplus hoffen. „Die Voraussetzungen sind nicht schlecht“, sagte Bispinck. Die Teuerungsrate wird nach Prognosen von Wirtschaftsinstituten zwar über zwei Prozent verharren, doch könnten die Lohnzuwächse diesmal kräftiger ausfallen. Die Gewerkschaften fordern fünf bis neun Prozent mehr. Verhandlungen stehen etwa im öffentlichen Dienst, in der Stahl- und Chemieindustrie, in der Textil- und Bekleidungsbranche, in der Energieversorgung, im Kfz-Gewerbe und in der Landwirtschaft an.

Die deutsche Wirtschaft kann der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) zufolge eine durchschnittliches Lohnplus von 3,5 Prozent verkraften. „Das würde keine größeren Probleme verursachen“, sagte ILO-Experte Raymond Torres zu Reuters. Dieses Niveau würde auch die Europäische Zentralbank (EZB) akzeptieren. Deren Präsident Jean-Claude Trichet warnt davor, die Lohnabschlüsse an die stark gestiegenen Preise für Lebensmittel und Energie zu koppeln. Das verfestige die Teuerung nur. Bei ersten Anzeichen für eine Lohn-Preis-Spirale werde die EZB deshalb die Zinsen anheben, sagte Trichet.

2007 legten die Tariflöhne im Schnitt um 2,2 Prozent zu. Die Entwicklung lief aber gespalten. „Während die exportorientierten Branchen erneut Tarifsteigerungen oberhalb der Preissteigerungsrate verzeichneten, blieben die Zuwächse in binnenmarktabhängigen Bereichen zum Teil weit darunter“, sagte Bispinck. Das größte Plus gab es im Investitionsgütergewerbe mit 3,4 Prozent, gefolgt vom Grundstoff- und Produktionsgütergewerbe mit 2,6 Prozent. In einigen Branchen wurden keine Steigerungen vereinbart, darunter der Einzelhandel. „In vielen Wirtschaftszweigen haben die Beschäftigten bisher nicht vom Aufschwung profitiert“, sagte Bispinck.

Die Reallohneinbußen gelten als Grund für den schwächelnden privaten Konsum. Trotz steigender Beschäftigung schrumpfte er im vergangenen Jahr um 0,3 Prozent und bremste damit den Aufschwung. 2008 sehen die meisten Institute den Konsum in der Rolle der Konjunkturlokomotive, weil die Beschäftigung weiter steigen und die Löhne auch in realer Rechnung zulegen dürften. Kräftiger als die Löhne kletterten 2007 die Unternehmensgewinne und Vermögen mit 7,2 Prozent, wie das Statistische Bundesamt berechnete. Zwischen 1994 und 2003 hatten sie sich noch weitgehend parallel entwickelt. Seit 2004 hinken die Arbeitnehmerentgelte hinterher. Sie machen inzwischen weniger als zwei Drittel des Volkseinkommens von 1,825 Billionen Euro aus. Im Jahr 2000 waren es noch 72,2 Prozent.

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