Rede von Ben Bernanke
Bernanke: Hypothekenkrise dauert länger

Die Krise auf dem US-Hypotheken- und Immobilienmarkt wird nach den Worten von US-Notenbankchef Ben Bernanke noch weit in das kommende Jahr hereinziehen.

HB WASHINGTON/JACKSON HOLE. Die Fed beobachte die Situation genau und werde die nötigen Maßnahmen ergreifen, sagte Notenbank-Chef Ben Bernanke am Freitag. „Entwicklungen auf den Finanzmärkten können weitreichende wirtschaftliche Effekte haben“, sagte Bernanke. „Und die Federal Reserve muss diese Effekte berücksichtigen, wenn sie ihre Politik bestimmt.“

Bernanke machte zugleich aber deutlich, dass die Zentralbank nicht bereit sei, Investoren zu retten, die schlechte Entscheidungen getroffen hätten. „Es liegt weder in der Verantwortung der Federal Reserve noch wäre es angemessen, Gläubiger und Investoren vor den Konsequenzen ihrer finanziellen Entscheidung zu schützen“, sagte Bernanke. Die Börsen hatten bereits im Tagesverlauf kräftig zugelegt. Nach Bernankes Äußerungen gaben die Indizes kurzfristig einen Teil ihrer Gewinne wieder ab, legten dann aber wieder zu.

Der Dollar stieg indes im Verhältnis zum Euro. Die Märkte hatten von Bernanke ein Signal erwartet, ob die Fed bei ihrer nächsten Sitzung am 18. September angesichts der Finanzkrise die Zinsen senken würde. Einige Analysten wollen eine entsprechende Botschaft erkannt haben. Bernanke habe eine mögliche Zinssenkung angedeutet, sagte Meg Brown von Brown Brothers Harriman. Auch der Analyst Suboh Kumar sagte, zwischen den Zeilen lasse sich herauslesen, dass die Fed ihre Zinspolitik im September lockern könnte und wie Bernanke der ersten Finanzkrise in seiner Amtszeit begegnet.

US-Präsident George W. Bush wollte am Nachmittag eine Reihe von Reformen zur Überwindung der Hypothekenkrise vorschlagen. Wie zuvor verlautete, wollte Bush Kredithilfen für Hausbesitzer mit Zahlungsschwierigkeiten über Steuererleichterungen bis hin zu strengeren Bedingungen für die Kreditvergabe ankündigten. „Er will über die Reformen diskutieren, damit sich solche Probleme in der Zukunft nicht wiederholen“, sagte ein ranghoher Mitarbeiter des Präsidialamtes. Von dem Maßnahmebündel aus Zinserleichterungen und einer Bundesabsicherung von Hypotheken könnten bis zu 80 000 Hauseigentümer profitieren.

Präsidentensprecher Tony Snow betonte aber, dass die wirtschaftlichen Fundamentaldaten stark blieben. Dennoch müsse auf die Hypothekenkrise reagiert werden. Viele Analysten haben gewarnt, dass die Hypothekenkrise die US-Wirtschaft in eine Rezession stürzen könnte. Die US-Regierung hält dem entgegen, dass die Wirtschaft intakt und das weltweite Wachstum robust sei. Volkswirte befürchten aber, dass viele Bürger ihr Geld stärker zusammenhalten und ihre Konsumausgaben einschränken könnten, was dem Wachstum in den USA einen deutlichen Dämpfer verpassen könnte.

Hintergrund der Krise war die Vergabe von kaum gesicherten Immobilienkrediten an Hauskäufer, die sich solche Kredite eigentlich nicht leisten konnten. Steigende Zinsbelastungen und sinkende Immobilienwerte haben dazu geführt, dass viele Kredite nicht mehr zurückgezahlt werden konnten.

Nach Informationen der „Washington Post“ müssen rund zwei Millionen Hausbesitzer in den kommenden beiden Jahren mit einem deutlichen Anstieg ihrer Prämien rechnen, weil ihre Hypotheken zu riskant seien. Die Krise am Hypotheken- und Immobilienmarkt ist durch Zahlungsausfälle von Kunden mit schlechter Bonität ausgelöst worden.

Die US-Notenbank hatte vor zwei Wochen erstmals auf die die drohenden Gefahren der US-Hypothekenkrise für das Wirtschaftswachstum reagiert und den Diskontsatz gesenkt. Das war ein wichtiger Schritt zur Erleichterung der Bankenrefinanzierung, die im Zuge der Krise praktisch zum Erliegen gekommen war. Die Zinsaktion war auf den US- Finanzmärkten als klarer Beweis gewertet worden, dass die amerikanischen Währungshüter unter Notenbankchef einer Eskalation der Finanzmarktkrise mit allen Mitteln begegnen wollten. Die US-Notenbank trifft sich zu ihrer nächsten ordentlichen Sitzung am 18. September, bei der sie über eine Senkung des Leitzinses beraten wird.

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