Reformstopp gefährdet Aufschwung
OECD sieht Licht und Schatten

Teurer Euro, stockender Exportmotor, Reformstopp: Die OECD erwartet in ihrem neuen Wirtschaftsausblick einen Rückgang der Wachstumsraten in Deutschland. Allerdings kann die Abschwächung der Organisation zufolge gut abgefedert werden. Es sei denn, ein spezielles Szenario tritt ein.

HB BERLIN. Weil der Exportmotor nicht mehr so hochtourig läuft, wird sich das Wachstum in Deutschland verlangsamen, meinen die Experten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in ihrem Wirtschaftsausblick. Die Expansion werde mit einem Rückgang der jährlichen Wachstumsraten von 2,6 Prozent 2007 (kalenderbereinigt) auf 1,6 Prozent im Jahr 2009 etwas an Schwung verlieren. Für 2008 wird ein Plus von 1,8 Prozent erwartet. Noch im Mai hatte die OECD 2,2 Prozent für kommendes Jahr vorhergesagt.

Der starke Euro werde die Exporte und Investitionen bremsen und die Einfuhren in die Höhe treiben, so die OECD. Wenn es zu keiner überraschenden Verteuerung von Öl und Nahrungsmitteln komme, könnten diese Ausfälle jedoch von der erstarkenden Binnennachfrage teilweise ausgeglichen werden. Die bisher verfügbaren Indikatoren wiesen darauf hin, dass der Aufschwung intakt bleiben werde.

Dank der vergangenen Reformen wird die nach OECD-Kriterien berechnete Erwerbslosenquote von 6,4 Prozent (2007) über 5,7 Prozent im kommenden Jahr auf 5,6 Prozent 2009 zurückgehen. Die höhere Beschäftigung älterer Arbeitnehmer dürfte ein Erfolg der Reformen sein. Gleichzeitig warnt die OECD die Bundesregierung: „Angesichts der zu erwartenden Engpässe beim Angebot qualifizierter Arbeitskräfte sollte die Regierung von jeglichen Maßnahmen absehen, die die Anreize zur Aufnahme einer Erwerbstätigkeit schwächen könnten.“

Der deutsche Staatshaushalt dürfte in diesem Jahr ausgeglichen sein und sich weiter verbessern. 2009 werde Deutschland sogar einen effektiven Überschuss von 0,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) ausweisen, wenn keine weiteren Ausgaben beschlossen würden. Wegen der Senkung der Unternehmenssteuern dürfte das strukturelle Defizit aber nicht weiter abgebaut werden.

Das größte Konjunkturrisiko sieht die OECD „darin, dass die Verschiebung des Wachstums zum privaten Konsum unterbrochen werden könnte, wenn die Öl- oder die Nahrungsmittelpreise über Erwarten stark anziehen und das verfügbare Realeinkommen dämpfen würden. Zudem „könnten die Nettoexporte deutlicher zurückgehen als angenommen, wenn die Nachfrage der Haupthandelspartner vielleicht infolge anhaltender Turbulenzen an den Finanzmärkten oder bei einer weiteren erheblichen Aufwertung des Euro stärker nachlässt als erwartet.“

Seite 1:

OECD sieht Licht und Schatten

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%