Regierung bleibt vorsichtig
Bundesbank hebt Wachstumsprognose

Bundesregierung und Bundesbank rechnen in diesem Jahr mit einer stärkeren Belebung der Konjunktur. Während die Bundesbank die Wachstumsprognosen weiter nach oben korrigieren will, bleibt die Bundesregierung jedoch noch vorsichtig.

HB BERLIN. So gingen die Frankfurter Währungshüter für 2006 in einer internen Analyse von einem wirtschaftlichen Zuwachs von 1,6 Prozent aus, berichtet das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Besonders zum Jahresende hin werde die Konjunktur an Fahrt gewinnen. Erst im nächsten Jahr sei wegen der beschlossenen Steuererhöhungen mit einem Dämpfer zu rechnen, schreiben die Bundesbankvolkswirte laut dem Bericht des Hamburger Magazins.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hat dagegen Zurückhaltung bei der anstehenden Aktualisierung der Regierungsprognose zum deutschen Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr angekündigt. „Da werden wir uns sehr konservativ weiter aufstellen“, sagte Steinbrück in der Nacht zum Samstag in Washington nach dem Ende des Finanzministertreffens der sieben führenden Industrieländer (G-7). „Wir wollen auf der sicheren Seite sein“, ergänzte er. Er sei inzwischen mit Schätzungen für das Wachstum im laufenden Jahr konfrontiert, die zwischen 1,3 und 2,5 Prozent schwankten.

Er sprach sich daher dafür aus, sich mit der neuen Regierungsprognose nicht zu weit vorzuwagen, um vor negativen Überraschungen bewahrt zu werden. Die Prognose steht Ende April kurz vor der neuen amtlichen Steuerschätzung an.

Wirtschaftsstaatssekretär Bernd Pfaffenbach hatte vor wenigen Tagen eine Erhöhung dieser Schätzung angedeutet. Er schließe eine Anhebung nicht aus, hatte er erklärt. Pfaffenbach, der auch persönlicher Beauftragter von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) für die Vorbereitung des Weltwirtschaftsgipfels (Sherpa) ist, ist unter anderem für die Konjunkturabteilung im Wirtschaftsministerium zuständig. In Regierungskreisen war jüngst eine Anhebung der Prognose auf 1,6 oder gar 1,7 Prozent als möglich erachtet worden.

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) bestätigte eine geplante Korrektur nach oben in einem Interview der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (FAS). „Die deutliche Stimmungsverbesserung und die aufgehellten Erwartungen der Produzenten und Konsumenten, die schon zu Jahresbeginn sichtbar waren, haben sich weiter bestätigt“, sagte Glos. Dies werde er bei der Frühjahrsprojektion, die er am 28. April offiziell vorstellt, „mit ins Bild nehmen“. „Der konjunkturelle Start in das Jahr ist gut gelungen.“ Weitere Impulse erwarte er von der am Montag beginnenden Hannover-Messe.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) geht dagegen für dieses Jahr von einer Wachstumsrate in Deutschland von 1,3 Prozent und für das kommende Jahr sogar nur von 1,0 Prozent aus. Dagegen attestierte die mächtige Währungsbehörde den USA zum Beispiel für 2006 wahrscheinliche Zuwächse um 3,4 Prozent bei einem Wachstum der Weltwirtschaft um sogar 4,9 Prozent. Auch Ökonomen und Wirtschaft in Deutschland befürchten für das kommende Jahr besondere Bremseffekte in Folge der von Berlin beschlossenen Mehrwertsteuererhöhung 2007 von 16 auf 19 Prozent.

Wie der Sachverständgienrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung erwartet Glos keine spürbaren Negativeinflüsse des hohen Ölpreises auf die Konjunktur. „Für Produzenten erhöhen sich die Kosten, allerdings müssen den belastenden Wirkungen auch Entlastungen gegenüber gestellt werden“, sagte der Minister im FAS-Gespräch. „So fließt ein beachtlicher Teil der abgezogenen Kaufkraft wieder nach Deutschland zurück, da die Öl- exportierenden Länder vermehrt Güter und Dienstleistungen von uns nachfragen. Das konnten wir bereits im vergangenen Jahr beobachten, als der Ölpreis um etwa 40 Prozent anstieg.“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%