Regierung übernimmt Prognosen
Aufschwung bringt Wende am Arbeitsmarkt

Der Aufschwung der deutschen Wirtschaft hat sich in diesem Jahr erheblich verstärkt und wird sogar zu einer Wende am Arbeitsmarkt führen. Zu dieser Prognose kommen die sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrem Herbstgutachten. Die Politik zeigt sich allerdings wenig begeistert von den Ergebnissen der Ökonomen. Selbst Kanzlerin Merkel meldet sich zu Wort.

BERLIN. Seit Jahresbeginn ist die Arbeitslosigkeit laut Herbstgutachten um 300 000 Personen zurückgegangen. Zunehmend würden nach Jahren der Flaute jetzt wieder sozialversicherungspflichtige Stellen geschaffen. Die Unternehmen schätzen ihre wirtschaftliche Lage derzeit so gut ein wie zuletzt während der Wiedervereinigung vor 15 Jahren.

Die Institute haben daher ihre Wachstumsprognose für dieses Jahr von 1,8 auf 2,3 Prozent angehoben. Einen Dämpfer allerdings erwarten sie im kommenden Jahr durch die Mehrwertsteuererhöhung von 16 auf 19 Prozent: Die Wirtschaft werde nurmehr um 1,4 Prozent wachsen. Die Bundesregierung will sich am Freitag dieser Prognose anschließen, hieß es gestern in Regierungskreisen. Zuvor habe Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) zwar erwogen, die Prognose für dieses Jahr sogar auf 2,5 Prozent anzuheben. Kanzleramt und Finanzministerium wollten jedoch an der Koalitionslinie festhalten, in der Finanzplanung das Wachstum nicht zu optimistisch anzusetzen, hieß es.

Für den Rückgang des Wachstums 2007 machen Wirtschaftsforscher und Unternehmer einhellig die Politik der großen Koalition verantwortlich: Der Mix aus Steuererhöhung und Steuervergünstigungsabbau werde die Kaufkraft schmälern und so die sich gerade erholende Binnenkonjunktur erneut schwächen, hieß es einhellig.

Die Institute wollen sich allerdings nicht festlegen, wie nachhaltig der Dämpfer wirken wird. Ein Teil erwartet einen Abschwung – die übrigen halten jedoch den Aufschwung für so robust, dass ihm auch die Mehrwertsteuererhöhung wenig anhaben werde. Im Vergleich zum Frühjahrsgutachten ist damit der Optimismus der Ökonomen gestiegen: Damals vertrat allein das Münchner Ifo-Institut die Meinung, dass die Wirtschaft die Steuererhöhung verkraften könne.

Die Vertreter des Negativ-Szenarios führen an, dass die Unternehmen die Geschäftsaussichten für das kommende Jahr spürbar schlechter einschätzen als die heutige Lage – was auch die DIHK-Umfrage bestätigt. Die optimistischeren Institute verweisen jedoch darauf, dass die Zunahme der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung die Binnenkonjunktur stabilisieren werde. „Niemals wurde die Mehrwertsteuer so stark angehoben. Daher ist es schwierig abzuschätzen, in welchem Maße die Finanzpolitik die Konjunktur dämpfen wird“, schreiben die Herbstgutachter. Die Wachstumsprognose für 2007 von 1,4 Prozent sei ein Mittelwert aus beiden Szenarien.

DIHK-Konjunkturexperte Axel Nitschke sieht durchaus positive Hinweise für die Konjunktur auch im kommenden Jahr. Die Investitions- und Beschäftigungspläne der exportorientierten Industrie seien so positiv, „dass man hoffen kann, dass sie die Binnenwirtschaft stützen“, sagte er. Es sei daher durchaus möglich, dass sich die „politischen Störeffekte im Laufe des Jahres auflösen könnten“. Solange der Export weiter so gut laufe, könne zumindest die Industrie wegen der positiven Mengenkonjunktur die Preise trotz Steuererhöhung weitgehend stabil halten. „Eindeutig ist, dass die Konjunktur zum Jahreswechsel wieder stark vom Export abhängen wird“, sagte Nitschke.

Seite 1:

Aufschwung bringt Wende am Arbeitsmarkt

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%