Rekordtief
EZB lässt die Finger von der Zinsschraube

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird sich wohl nicht an der geldpolitischen Lockerung beteiligen, die andere Notenbanken zurzeit betreiben. Sie hält den Leitzins im Euroraum wie erwartet auf dem Rekordtief von 1,0 Prozent, was EZB-Chef Jean-Claude Trichet als angemessen bezeichnete.
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HB FRANKFURT/MAIN. Damit setzen die Währungshüter ihre Politik des billigen Geldes fort, weiten sie aber anders als zuletzt Japan nicht aus. Der wichtigste Zins zur Versorgung der Banken im Euro-Raum mit Zentralbankgeld verharrt seit Mai 2009 auf diesem Niveau.

EZB-Chef Jean-Claude Trichet bezeichnete die Leitzinsen im Euro-Raum als „angemessen“ und signalisierte damit, dass sich die Europäische Zentralbank erst einmal nicht an der geldpolitischen Lockerung beteiligen wird, die andere Notenbanken wie die britische oder japanische derzeit verfolgen. Europas oberste Währungshüter gehen davon aus, dass die Preisentwicklung moderat bleibe. Die wirtschaftliche Erholung werde ebenfalls in einem moderaten Tempo weitergehen. Das geldpolitische Umfeld sei "akkommodierend".

Während Notenbanken etwa in Japan, USA und Brasilien die Geldschleusen weiterhin weit geöffnet halten und damit die Wirtschaft ihrer Länder unterstützen, erwarten Volkswirte, dass Europas oberste Währungshüter an dem geplanten allmählichen Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik des billigen Geldes festhalten werden. Diesen Ausstieg hatte sie auf dem Höhepunkt der Schuldenkrise in Griechenland im Frühjahr abgebrochen und zuletzt wegen der nach wie vor in manchen Ländern der Währungsunion bestehenden Probleme des Bankensektors abermals gestreckt.

Volkswirte gehen davon aus, dass die EZB ihre Leitzinsen bis wenigstens zum Ende des dritten Quartals 2011 unverändert lassen wird. Das legen die voraussichtlich niedrigen Inflationsraten nahe. Die EZB rechnet auf Basis ihrer Stabsprojektionen für 2010 und 2011 mit jahresdurchschnittlichen Inflationsraten von 1,6 und 1,7 Prozent. Die von ihr erstrebte mittelfristige Preisstabilität sieht sie bei jährlichen Preissteigerungsraten von „unter, aber nahe zwei Prozent“ gegeben. Höhere Zinsen würden Kredite verteuern und könnten daher Gift für die Erholung der Konjunktur sein. Auch die britische Notenbank ließ ihren Leitzins am Donnerstag bei 0,5 Prozent.

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