Rettungsfonds für Banken
Der Rentner als Retter

Michel Camdessus ist 75 Jahre alt, doch ans Aufhören denkt er noch lange nicht. Nun leitet der ehemalige IWF-Chef in Paris den Rettungsfonds für Banken. An ehrgeizigen Zielen fehlt es Camdessus nicht: Der Finanzexperte will die „verborgenen Chancen“ der Krise nutzen und tiefgreifende Reformen im Weltbankensystem verankern.

PARIS. Der 75-Jährige grauhaarige Franzose mit der schmalen Metallbrille verleiht seinen Worten dabei gern mit den Händen Nachdruck. Er gibt den Politikern die Hauptschuld an der Finanzkrise. Der Internationale Währungsfonds (IWF) habe schon Mitte der 90er Jahre eine Aufsicht über die Finanzmärkte gefordert. „Wenn man dem gefolgt wäre, hätte man die Krise vermeiden können“, sagt er. Sein energisches Auftreten verbunden mit jahrzehntelanger Erfahrung in der Finanzwelt empfahlen den pensionierten Banker als Retter der französischen Wirtschaft in der Krise.

Camdessus ist Chef der Gesellschaft für die Finanzierung der Wirtschaft (SFEF, Société de financement de l´economie française). Die Einrichtung zur Refinanzierung der Banken ist eine der zwei Einrichtungen in der Krise. Sie ist mit einer Staatsgarantie von 320 Millionen Euro ausgestattet und soll Kredite an Finanzinstitute vergeben. Bis März 2009 sollen zunächst 25 Mrd. an französische Kreditinstitute fließen. Die SFEF ist keine rein staatliche Einrichtung, der Staat hält nur eine Sperrminorität, den Rest übernehmen sieben französische Großbanken. Das Finanzministerium und die Banque de France kontrollieren die Struktur. Neben der SFEF gibt es die SPPE (Société de prises de participation de l´Etat), die mit 40 Mrd. Euro das Eigenkapital der Banken stärken soll.

Dass Camdessus die Leitung dieser wichtigen Rettungsgesellschaft in der Finanzkrise erhält, hat trotz seines Alters nicht überrascht. Der Franzose leitete von 1987 bis 2000 den IWF und hat den Ruf, ein international erfahrener Finanzexperte zu sein. Vorher war er Gouverneur der Banque de France und Chef des Schatzamtes im Finanzministerium. Außerdem hört nicht nur die französische Regierung sondern auch Vatikan auf seinen Rat zur Weltwirtschaft.

Unumstritten ist er allerdings nicht, seine Kritiker aus den linken politischen Reihen in Frankreich bezeichnen ihn als „Ultra-Liberalisten“.

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