Reuters-Enkaufsmanagerindex unerwartet deutlich gesunken
Beschäftigung in deutscher Industrie steigt

Die wirtschaftliche Erholung der deutschen Industrie hat im August unerwartet deutlich an Schwung verloren. Dennoch stellten die Firmen erstmals seit über drei Jahren wieder mehr Mitarbeiter ein. Experten fürchten jedoch, dass das Wirtschaftswachstum bereits wieder abflauen könnte.

HB BERLIN. Der Reuters-Einkaufsmanagerindex (EMI) für die deutsche Industrie sank nach Angaben des Forschungsinstituts NTC vom Mittwoch im August auf 55,1 von 56,6 Punkten. Das Beschäftigungsbarometer überwand jedoch die Schwelle von 50 Zählern. „Erstmals seit Mai 2001 ist die Beschäftigung in der deutschen Industrie leicht gestiegen“, erklärte NTC. Die Firmen steigerten ihre Produktion langsamer als in den Vormonaten; auch der Zuwachs an Neuaufträgen schwächte sich ab.

„Es gibt erste Anzeichen dafür, dass der Wachstumshöhepunkt schon überschritten sein könnte“, sagte NTC-Chefvolkswirt Chris Williamson auch angesichts des geringeren Wachstums von Einkaufsmengen und Auftragspolstern. Von Reuters befragte Analysten hatten im Mittel nur mit einem Rückgang des Index auf 56,1 Punkte gerechnet. Auch in der gesamten Euro-Zone kam die Industrie-Erholung im August langsamer voran. Der Einkaufsmanagerindex fiel ebenfalls etwas stärker als erwartet auf 53,9 von 54,7 Punkten.

Der deutsche Index Beschäftigung stieg auf 50,2 von 49,9 Punkten im Juli und signalisierte damit eine wachsende Stellenzahl. „Diejenigen Firmen, die neue Arbeitsplätze schufen, begründeten dies mit den steigenden Auftragseingängen und den daraus resultierenden höheren Kapazitätsanforderungen“, erklärte NTC. „Ob sich dieser Trend in den kommenden Monaten fortsetzt, wird von der weltweiten Nachfrage und dem Ölpreis abhängen“, sagte Williamson unter Verweis auf die schwache deutsche Binnenkonjunktur.

Der Index für das Neugeschäft sank zwar auf 57,6 von 58,2 Punkten, zeigte damit jedoch weiter einen kräftigen Anstieg der Aufträge an. „Dabei profitierte der Auftragseingang vor allem von der starken Nachfrage aus dem Ausland, besonders aus den USA und Asien“, erklärte NTC. Die EU-Erweiterung habe auch das Geschäft mit Osteuropa angekurbelt.

Hauptgrund für den Rückgang des EMI war allerdings die Abschwächung des Produktionswachstums. Der entsprechende Index fiel auf 56,2 von 59,1 Zählern. „Im Prinzip war diese Abschwächung lediglich darauf zurückzuführen, dass einige Firmen verstärkt auf die Fertigwarenlager zurückgriffen“, erklärte NTC. Angesichts neuer Bestellungen und Engpässen bei Lieferanten mussten viele Unternehmen auf ihre Lager zurückgreifen. Der rasante Anstieg der Ölpreise und die weltweite Stahl-Knappheit ließen die Einkaufspreise erneut in die Höhe schnellen, während die Firmen ihre Verkaufspreise wegen des harten Wettbewerbs nur langsam erhöhen konnten.

Die insgesamt 3000 befragten Firmen erhöhten in allen Ländern der Euro-Zone ihre Produktion nicht mehr so deutlich wie zuletzt. Nur in Griechenland legte die Produktion stärker zu. „Vielleicht ist das auf die Olympischen Spiele zurückzuführen“, vermutete Williamson. Besonders deutlich schwächte sich die Erholung der Produktion in Deutschland ab. „Deutschland fiel daher von der Spitze der Wachstums-Tabelle auf den vierten Platz“, erklärte NTC. Williamson verwies auf die Abschwächung des Exportwachstums in der gesamten Euro-Zone: „Wegen der Abhängigkeit der Euro-Zone von den Exporten muss das genau im Auge behalten werden.“ Er warnte jedoch davor, den Rückgang zu pessimistisch zu bewerten: „Wir bewegen uns immer noch mit einem robusten Tempo vorwärts.“

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