Reuters-Quartalsumfrage
Experten erwarten allmähliche Wirtschaftserholung

Nach Einschätzung von Analysten wird sich die deutsche Wirtschaft mit einem moderaten Wachstum aus der Stagnation befreien. Das geht aus der am Mittwoch veröffentlichen Quartals-Umfrage unter Bankenvolkswirten und Wirtschaftsforschern der Nachrichtenagentur Reuters hervor.

HB BERLIN. Im Mittel (Median) rechnen Experten im kommenden Jahr mit einem Anstieg der Wirtschaftsleistung um 1,7 %, wie die am Mittwoch veröffentlichte Reuters-Quartalsumfrage unter Bankenvolkswirten und Wirtschaftsforschern ergab. Allerdings gehen hiervon allein 0,3 bis 0,6 %punkte auf das Konto zusätzlicher Arbeitstage.

Auf dem Weg zur Erholung sehen die Experten noch einige Gefahren. „Ein Risikofaktor für die Konjunktur ist der Euro-Kurs: Steigt er zum Beispiel bis Mitte 2004 auf 1,35 Dollar, würde das Wachstum ungefähr 0,5 %punkte niedriger sein“, sagte Stefan Bielmeier von der Deutschen Bank. Noch etwas langsamer würde die Wirtschaft in Schwung kommen, wenn die Steuern Anfang nächsten Jahres doch nicht so stark wie von der Regierung geplant sinken würden.

Das laufende Jahr haben die Experten einstimmig abgeschrieben. Im Schnitt erwarten sie gar keine Veränderung des Bruttoinlandsproduktes (BIP), nachdem die Wirtschaft schon im vergangenen Jahr mit einem Zuwachs von 0,2 % kaum über die Stagnation hinaus gekommen war. Die Bundesregierung wird in der kommenden Woche ihre Wachstumsprognose für dieses Jahr nach Angaben aus Regierungskreisen voraussichtlich ebenfalls auf null von derzeit 0,75 % senken. Die Annahme für 2004 werde wohl auf 1,5 von 2,0 % gesenkt.

Die Rezession im ersten Halbjahr dieses Jahres betrachten alle Umfrageteilnehmer als beendet. Sie erwarten im Schnitt eine langsame Beschleunigung des Quartalswachstums von 0,2 % im dritten Quartal auf 0,5 % im Frühling 2004. Danach gehen die Prognosen deutlich auseinander: Während die Mehrheit von einer stabilen Expansion ausgeht, befürchten einige Experten schon im Laufe des kommenden Jahres eine neue Flaute. „Die positiven Prognosen sind ein Strohfeuer und können nicht aufrechterhalten werden, wenn sich das Verbrauchervertrauen und der Privatverbrauch nicht verbessert“, sagt Andreas Rees von der HypoVereinsbank, der mit einer Prognose von 1,1 % für das kommende Jahr zu den größten Pessimisten zählt.

Die deutschen Exporte werden im kommenden Jahr nach Einschätzung der Volkswirte spürbar ansteigen. Für 2004 erwarten sie einen Zuwachs von 3,7 % nach lediglich plus 0,3 % in diesem Jahr. Zum Wirtschaftswachstum wird der Außenhandel dennoch 2004 kaum beitragen, weil die Importe mit plus 3,4 % den Prognosen zufolge fast ebenso schnell wachsen. Beim Export sieht Bielmeier von der Deutschen Bank jedoch Potenzial für positive Überraschungen: „Das Wachstum der deutschen Exportmärkte ist viel wichtiger für die Ausfuhren als der Außenwert des Euro.“

Einen kleinen Schub dürfte der private Konsum liefern, der den Prognosen zufolge im kommenden Jahr um 1,3 % zulegt, nach einem Wachstum von 0,7 % in diesem Jahr.

Die Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt wird sich auf Grund der schwachen Erholung frühestens zum Ende des kommenden Jahres verbessern. Im Mittel rechnen die Experten für 2003 und auch für 2004 mit einer durchschnittlich saisonbereinigten Arbeitslosenquote von 10,6 % - unverändert vom dritten Quartal diesen Jahres. Erst im vierten Quartal des kommenden Jahres werde die Quote im Schnitt auf 10,4 % sinken.

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