Rezession
Bank of England erwägt weitere Geldspritze

Auf die Bank of England kommt in dieser Woche eine schwierige Entscheidung zu. Volkswirte gehen davon aus, dass die Mannschaft um Notenbankgouverneur Mervyn King die schwer angeschlagene Wirtschaft mit noch mehr Geld fluten muss, um das Land endlich aus der längsten Rezession seit den fünfziger Jahren zu führen.
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LONDON. Die Bank of England hat über ein Rückkaufprogramm für Staatsanleihen bereits 175 Mrd. Pfund zusätzliche Liquidität in die Wirtschaft gepumpt. Bei diesem sogenannten „Quantitative Easing“ steuern die Notenbanken die Geldmenge direkt über den Kauf von Anleihen oder anderen Wertpapieren, um so eine Kreditklemme zu verhindern. Die Mehrheit der Analysten geht inzwischen davon aus, dass die Notenbank auf ihrer nächsten Sitzung am kommenden Donnerstag die Geldmenge noch einmal um 25 Mrd. Pfund ausweiten wird. „Nach den enttäuschenden Daten zur Wirtschaftsentwicklung im dritten Quartal spricht vieles dafür, dass das Programm weiter aufgestockt wird als eine Art Versicherung gegen eine noch längere Rezession“, meint Volkswirt John Hawksworth von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PWC.

Die britische Wirtschaft war im dritten Quartal völlig überraschend noch einmal um 0,4 Prozent geschrumpft. Fast alle Bankvolkswirte hatten einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) erwartet.

Die Zahlen haben das Land schockiert. Es zeichnet sich immer klarer ab, dass der Weg Großbritanniens aus der Wirtschaftskrise länger und härter werden wird als für andere große Industrieländer. So haben Deutschland und Frankreich schon im Frühjahr wieder ein leichtes Wachstum verzeichnet. In den USA ist die Wirtschaft im Sommer aus der Rezession aufgetaucht.

Über den bisherigen Erfolg des Quantitative-Easing-Programms streiten sich die Experten in Großbritannien. Die Zentralbank selbst ist von der Wirksamkeit der zusätzlichen Geldversorgung nach wie vor überzeugt. Kritiker monieren aber, dass die privaten Banken das zusätzliche Geld horten, statt mehr Kredite an Unternehmen zu vergeben. Die Volkswirte der Commerzbank raten Notenbankchef Mervyn King deshalb, mit einer neuerlichen Ausweitung der Geldmenge zu warten, bis sich zeigt, welche Wirkung die bisherigen Maßnahmen entfalten.

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