Rezession in den USA und die Folgen
Ende der fetten Jahre

Alles in bester Ordnung in Europa? Finanzkrise, Aktiencrash, Ölpreis-Explosion, steigende Teuerungsraten, Dollar-Verfall – alles kein Thema für den alten Kontinent? Schön wär’s!
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So viel gebündelter Optimismus ist verdächtig: „Europa ist immer noch auf dem Wachstumspfad, die Fundamentaldaten sehen gut aus“, sagte Luxemburgs Regierungschef Jean-Claude Juncker Anfang Februar auf dem G8-Treffen der führenden Industrieländer. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos sieht die deutsche Wirtschaft „auf einem positiven Wachstumskurs“, und auch EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Joaquín Almunia ist hoch zufrieden: „Europas Wirtschaft ist widerstandsfähig genug, um dem Gegenwind von der Weltwirtschaft standzuhalten.“

Die Zahlen sprechen eine andere Sprache: Im Jahresschlussquartal 2007 halbierte sich das Wachstum in der Euro-Zone auf magere 0,4 Prozent. Besonders die großen EU-Länder machen schlapp. In Deutschland und Frankreich schaffte die Wirtschaft von Oktober bis Dezember nur noch ein Plus von 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Italien befindet sich längst in der Stagnation.

In den vergangenen Wochen hagelte es immer neue Hiobsbotschaften. Diese ließen jeden Erholungsansatz an der Börse verpuffen. Schlecht stehen vor allem konjunkturempfindliche Werte da wie die Autokonzerne BMW und Daimler, aber auch der Zulieferer Continental. BMW kündigte bereits an, in den nächsten Monaten mehr als 8 000 Arbeitsplätze zu streichen. Grund: Die explodierenden Kosten für Rohstoffe, Material und Entwicklung sowie der Höhenflug des Euro drücken massiv auf die Rendite des Herstellers von Premium-Autos. Und der Abbau von Arbeitsplätzen bei BMW könnte noch weitergehen. „Wenn der Dollar nachhaltig auf diesem Niveau bleibt, werden weitere Personalmaßnahmen folgen“, sagte Ernst Baumann, Personalvorstand bei BMW.

Auch Manager anderer Unternehmen sind skeptisch. Das vom Münchner Ifo-Institut ermittelte Wirtschaftsklima im Euro-Raum stürzte im ersten Quartal 2008 auf den niedrigsten Wert seit Mitte 2005. Die rund 240 befragten Experten aus Unternehmen und Institutionen geben nicht nur der aktuellen Lage eine schlechtere Note, sie haben auch kein Vertrauen in die Zukunft.

Längst haben die Analysten der großen Banken und Forschungsinstitute ihre Prognosen für die Währungsunion nach unten korrigiert, und zwar drastisch. Nur noch etwa 1,5 Prozent Wachstum trauen sie der Wirtschaft in diesem Jahr zu — ein böser Absturz verglichen zum Vorjahr, als das Bruttoinlandsprodukt um 2,6 Prozent zulegte.

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