Rezession
Japan: 75 Milliarden gegen den Abschwung

Japan will mit der größten Konjunkturspritze aller Zeiten gegen die schwerste Rezession der Nachkriegszeit ankämpfen. Das Paket werde haushaltswirksame Ausgaben von über zehn Billionen Yen (74 Mrd. Euro) umfassen, sagte Finanzminister Kaoru Yosano. Die Frühindikatoren für die japanische Wirtschaft sind im Februar erneut gefallen.

HB TOKIO. Japan verdoppelt seine Anstrengungen im Kampf gegen die schwerste Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten. Mit einem weiteren Konjunkturprogramm über umgerechnet etwa 75 Mrd. Euro solle die Wirtschaft gestützt werden, sagte Finanzminister Kaoru Yosano am Montag. Weil die exportabhängige Wirtschaft Japans besonders unter dem weltweiten Einbruch leide und aus Gründen der internationalen Zusammenarbeit seien zusätzliche Maßnahmen im Umfang von mehr als zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) geplant. Die Regierung will das Paket am Freitag offiziell vorlegen.

Geplant seien unter anderem, ein Schutznetz für Beschäftige ohne Festanstellung, eine Verbesserung der Firmenfinanzierung und die Investitionen in Solaranlagen voranzutreiben, sagte Yosano, der zugleich auch Wirtschaftsminister ist. Damit dürften sich die Konjunkturprogramme in Japan auf mehr als vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts summieren. Seit August hat die Regierung der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt bereits zwei Hilfspakete von insgesamt zwölf Billionen Yen (rund 119 Mrd. Euro) geschnürt, was zwei Prozent des BIP entspricht. Yosano ließ offen, wie das neuerliche Konjunkturpaket finanziert werden solle. Bei einem Treffen mit Ministerpräsident Taro Aso sei nicht überneue Staatsanleihen gesprochen worden.

An den Finanzmärkten wird die japanische Staatsverschuldung genau beobachtet. Nach fast zwei Jahrzehnten Stagnation und einer jahrelangen Deflationsphase ist der Schuldenstand inzwischen auf 158 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gestiegen. Damit ist Japan so stark verschuldet wie kein anderes Industrieland. „Bis klar ist, was das neue Konjunkturpaket für die Verschuldung bedeutet, werden sich die Marktteilnehmer beim Kauf von Anleihen zurückhalten“, sagte Takeshi Minami, Chefvolkswirt beim Forschungsinstitut Norinchukin.

Weil die japanische Wirtschaft wie die deutsche sehr vom Export abhängt, ist sie von der weltweiten Krise besonders stark betroffen. Im vierten Quartal schrumpfte das BIP um 3,2 Prozent - so kräftig wie seit der Ölkrise 1974 nicht mehr und etwa doppelt so stark wie die Wirtschaftsleistung in den USA oder in der Euro-Zone. Experten gehen davon aus, dass die japanische Wirtschaft auch in der ersten Jahreshälfte im Minus bleibt - das wären fünf Quartale in Folge. So lange dauerte eine Durststrecke in Japan noch nie.

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