Rezession schlägt voll durch
Dienstleister immer tiefer im Abwärtsstrudel

Die Rezession schlägt immer stärker auf die deutschen Dienstleister durch. Die Geschäfte liefen im Februar so schlecht wie seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr, wie die Marktforscher von Markit zu ihrer Umfrage unter mehreren hundert Firmen mitteilten. Dagegen stabilisierte sich die Lage in der Industrie, wenn auch auf sehr niedrigem Niveau. Im Euro-Raum sind Dienstleister und Industrie ebenfalls weiter auf Talfahrt.

HB BERLIN. Der Einkaufsmanagerindex für den Service-Sektor fiel nach vorläufigen Berechnungen auf 41,6 Punkte von 45,2 Zählern im Vormonat. Das ist der niedrigste Wert seit Beginn der monatlichen Umfrage im Juni 1997. Werte unter 50 Punkten signalisieren schrumpfende Geschäfte. Analysten hatten 45,0 Punkte vorhergesagt.

„Die Abwärtsspirale bei den Dienstleistern dreht sich jetzt schneller“, sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson zu Reuters. „Das deutet darauf hin, dass der kräftige Abschwung der Industrie nun auch die Dienstleister erfasst hat.“ Die Nachfrage nach Dienstleistungen, die Industrieunternehmen angeboten werden, sei stark zurückgegangen. Baldige Besserung ist nicht in Sicht: Die Aufträge brachen im Februar ein. Der entsprechende Teilindex fiel von 42,5 auf 37,4 Punkte.

Dagegen stabilisierte sich die Lage in der Industrie, wenn auch auf sehr niedrigem Niveau. Der Einkaufsmanagerindex legte leicht von 32,0 auf 32,2 Punkte zu, blieb damit aber weit von der Wachstumsschwelle von 50 Zählern entfernt. Auch hier ist eine Belebung nicht in Sicht: Der Teilindex für das Neugeschäft legte nur minimal von 24,8 auf 24,9 Punkte zu.

Die Industrie leidet besonders unter dem schwächelnden Auslandsgeschäft. Wegen der Rezession bei wichtigen Handelspartnern brachen die Exporte am Jahresende in Rekordgeschwindigkeit ein. Der Branchenverband BGA sagt für 2009 ein Exportminus von acht Prozent voraus - das wäre der stärkste Rückgang seit Bestehen der Bundesrepublik.

Der Composite-Index, der Dienstleister und Industrie zusammenfasst, fiel im Februar auf das Rekordtief von 36,7 Punkte. Im Januar waren es noch 38,0 Zähler.

Die Dienstleister im Euro-Raum schwächeln ebenfalls. Die Geschäfte im Service-Sektor liefen im Februar so schlecht wie seit über einem Jahrzehnt nicht mehr, wie Markit zu seiner Umfrage unter Unternehmen mitteilte. Der Einkaufsmanagerindex sank vorläufigen Berechnungen zufolge von 42,2 Punkten im Januar auf 38,9 Punkte. Das ist der schlechteste Wert seit Umfragebeginn 1997. Der Index entfernte sich damit noch weiter von der 50-Punkte-Marke, ab der Wachstum signalisiert wird. Analysten hatten mit einem leichten Anstieg auf 42,4 Zähler gerechnet.

Bei der Industrie in der Eurozone, die bereits seit Herbst massive Geschäftseinbrüche meldet, setzt sich die Talfahrt nun überraschend fort. Der Einkaufsmanagerindex sank von 34,4 auf 33,6 Punkte – auch das ist ein Umfragetief. Auch hier brach das Neugeschäft nochmals ein, wobei die Bestellungen aus dem In- und Ausland fast gleich schnell zurückgingen. Wegen der schlechten Auftragslage forcierten die Unternehmen den Stellenabbau.

Der Gesamtindex für die Eurozone fiel im Februar einer ersten Schätzung zufolge von 38,3 Punkten im Vormonat auf einen Rekordtiefstand von 36,2 Punkte.

Eine Trendwende ist auch bei den Dienstleistern nicht in Sicht: Sowohl das Neugeschäft als auch der Auftragsbestand sanken im Februar noch schneller. Sie bauten deshalb noch mehr Arbeitsplätze ab. Die einzige positive Nachricht: Ihre Kosten sanken, weil sich vor allem Energie verbilligt hat.

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