Risiken nicht geringer
IWF warnt vor neuer Schuldenkrise

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat vor einer neuen Schuldenkrise gewarnt. Zwar sind die meisten Länder nach Finanzkrise, Bankenhilfen und Konjunkturprogrammen inzwischen auf einen Sparkurs umgeschwenkt, doch die finanziellen Risiken sind nicht geringer geworden.
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ZÜRICH. Früher war Weltspartag nur einmal im Jahr. Mit bunten Sparbüchsen versuchte man Kinder davon zu überzeugen, nicht ihr ganzes Geld auszugeben. Heute ist jeder Tag ein Weltspartag. Und statt bunter Sparschweine gibt es massive Drohungen von den Finanzmärkten für hochverschuldete Staaten. So jedenfalls lautet die Botschaft des Internationalen Währungsfonds (IWF). In seinem neuen, halbjährlichen „Fiscal Monitor“ zeigt der Fonds, wie nach Finanzkrise, Bankenhilfen und Konjunkturprogrammen eine globale Sparwelle nahezu jeden Winkel der Welt erfasst hat.

90 Prozent aller Länder werden ihre Defizite 2011 verringern

Demnach wird sich das globale Defizit gemessen am Weltsozialprodukt von 6,75 Prozent 2009 auf etwa fünf Prozent im nächsten Jahr verringern. Rund 90 Prozent aller Länder werden 2011 ihre Haushaltslöcher verkleinern. „Die Fiskalpolitik verschiebt sich langsam von der Unterstützung der Nachfrage hin zu einem Abbau von Defiziten“, so der IWF. Dabei kommen die Schwellenländer dank ihres kräftigen Wirtschaftswachstums deutlich schneller voran. Die entwickelten Volkswirtschaften weisen für 2010 immer noch ein Defizit von 8,25 Prozent aus, wobei die USA mit einem Minus von gut elf und Irland mit fast 32 Prozent die Schlusslichter bilden.

Zugleich bemängelt der Fonds die unklaren Exit-Pläne aus dem Krisenmanagement in vielen Ländern. Langfristige Belastungen wie Pensions- und Gesundheitskosten seien bislang zu wenig berücksichtigt.

Allerdings ist auch die Botschaft des IWF nicht eindeutig. Falls das Wirtschaftswachstum unerwartet gering ausfallen sollte, fordert der Fonds von den Regierungen, erneut gegenzusteuern. So sollten nicht nur die automatischen Stabilisatoren wie die Arbeitslosenversicherung zum Einsatz kommen. Zusätzlich könne es auch notwendig sein, die Konsolidierung zu verschieben.

Der IWF nimmt damit im internationalen Streit zwischen Sparkommissaren wie Bundeskanzlerin Angela Merkel und Schuldenmachern wie dem US-Präsidenten Barack Obama eine Mittelstellung ein. Der Defizitabbau sei notwendig, aber beim Exit müsse man flexibel bleiben, so die Botschaft des Fonds. Angesichts dieses Spagats sei das globale Spartempo „angemessen“. Allerdings reichen die geplanten Sparmaßnahmen nicht aus, um die Schuldenberge vieler Industrieländer abzubauen. Ende 2011 wird die Schuldenquote in den Industrieländern gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) immer noch 29 Prozent höher liegen als vor der Finanzkrise. Nur Ländern wie Kanada, Schweden und der Schweiz gelingt es, ihre Schuldenlast zu verringern. In den USA, Irland, Griechenland, Spanien und Japan wachsen die Schuldenberge dagegen weiter und zwar zwischen 15 und 42 Prozent.

Die Sparmaßnahmen vieler Industrieländer reichen nicht aus

Der Finanzbedarf der Schuldenstaaten wird in den nächsten Jahren nicht geringer. Selbst wenn ein Defizitabbau gelingt, führt die Refinanzierung auslaufender Staatsanleihen dazu, dass Länder wie Japan und Griechenland, aber auch die USA erneut erhebliche Mittel an den Kapitalmärkten aufnehmen müssen. Der IWF schätzt deshalb das Risiko künftiger Schuldenkrisen in den entwickelten Volkswirtschaften hoch ein. Im Fokus stehen die Schuldenländer Südeuropas.

Obwohl Deutschland in der Schuldenstatistik besser abschneidet als die meisten anderen Industriestaaten, ist die finanzielle Bilanz des Berliner Krisenmanagements niederschmetternd. So hat die Bundesregierung den heimischen Finanzsektor mit etwa 4,6 Prozent des BIP unterstützt, aber so gut wie keine Mittel von den Finanzhäuser zurückgewonnen. Wesentlich besser war das Krisenmanagement in den USA – der Keimzelle der Finanzkrise. Zwar haben die Amerikaner mehr Steuergelder bereitgestellt, aber sich das Geld später auch wieder zurückgeholt. Unterm Strich betragen ihre Nettokosten deshalb nur 3,7 Prozent.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent

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  • Ein bankrott irlands wäre ein dicker brocken, verglichen mit Griechenland oder Portugal. Da mag der Rettungsschirm nicht einmal ausreichen.

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